Papst soll vor muslimisches Gericht

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Papst soll vor muslimisches Gericht

Die wütenden Proteste in der muslimischen Welt ebben auch nach dem Ausdruck persönlichen Bedauerns von Papst Benedikt XVI. über sein Regensburger Islam-Zitat nicht ab.

Die Entrüstung in der muslimischen Welt hält trotz der Entschuldigung des Papstes an. Ein Sprecher des irakischen Grossayathollas Mahmud al Hassani forderte einen Prozess gegen den Papst vor einem islamischen Gericht.

Auch in Pakistan verbrannten rund 150 Demonstranten in der Stadt Muzaffarabad eine Puppe Benedikts und riefen «Tod dem Papst!» Im indischen Unionsland Jammu-Kaschmir, in der indonesischen Hauptstadt Jakarta und im irakischen Basra gab es Proteste.

Auf einer Webseite militanter Muslime tauchte am Montag eine Erklärung im Namen des Schura-Rats der Mudschahedin auf, einer Dachorganisation sunnitischer Extremisten im Irak, zu der auch Al Kaida im Irak gehört. Ihre Authentizität konnte zunächst nicht bestätigt werden. Nach einem Sieg im Dschihad werde es für die Unterlegenen nur die Möglichkeit geben, zum Islam überzutreten oder «mit dem Schwert getötet zu werden», hiess es in der Erklärung.

Zu gewaltlosem Protest aufgerufen

Scheich Jussuf el Karadawi appellierte dagegen im katarischen Fernsehsender El Dschasira, mit Demonstrationen und Sit-Ins nach der Freitagspredigt in den Moscheen gewaltlos gegen das katholische Kirchenoberhaupt zu protestieren.

Karadawi, der als Chef der so genannten Weltunion der moslemischen Ulemas über Autorität bei sunnitischen Moslems verfügt, äusserte sich in einer beliebten wöchentlichen Religionssendung. Der ägyptischstämmige katarische Geistliche verbot seinen Anhängern, Kirchen anzugreifen.

Karadawi warf dem Papst vor, sich mit seiner Klarstellung am Sonntag nicht wirklich entschuldigt zu haben. «Das sind keine Entschuldigungen. Das ist ein an die Moslems gerichteter Vorwurf, dass sie seine Worte nicht verstanden haben», sagte er.

Türkei erwägt Papst auszuladen

Der türkische Staatsminister Mehmed Aydin erklärte, der für November geplante Besuch Benedikts werde möglicherweise abgesagt, sollte sich der Papst nicht umfassend entschuldigen. Der Papst wird vom 28. November bis 1. Dezember in der Türkei erwartet.

Der Vorsitzende des türkischen Direktorats bezeichnete Benedikts Entschuldigung als indirekt und unzureichend. Der Papst habe am Sonntag nur die Reaktionen in der muslimischen Welt bedauert, nicht aber, das 600 Jahre alte Zitat überhaupt verwendet zu haben. Darin hiess es, der Prophet Mohammed habe mit seinen Lehren nur Schlechtes und Inhumanes bewirkt. Benedikt verwendete es bei einer Analyse über Gewalt und Religion, in der er sich dagegen wandte, Glauben mit Waffengewalt durchzusetzen.

Trauer um ermordete Nonne

Einen Tag nach der Ermordung einer Nonne in Somalia gab es Spekulationen, die Kontroverse um Benedikts Äusserungen könnte der Anlass zu der Tat gewesen sein. Die 65-jährige Nonne Leonella war am Sonntag in Mogadischu zusammen mit ihrem Leibwächter erschossen worden. Sie befand sich auf einem zehn Meter langen Weg von einem Krankenhaus des SOS-Kinderdorfes zu ihrem Kloster, als sie von bewaffneten Männern angegriffen wurde.

«Sie hatte keine Chance», sagte der Regionaldirektor der SOS-Kinderdörfer, Willy Huber. «Es war wie eine Hinrichtung.» Huber, der den Leichnam der Nonne am Montag nach Nairobi übergeführt hatte, sagte, über das Motiv könne er nichts sagen. Ein Augenzeuge, Asche Ahmed Ali, erklärte: «Ich bin sicher, dass die Mörder über die Papstrede wütend waren, die unseren Propheten angriff.»

(AP/SDA)

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