Papst trifft Lula
Aktualisiert

Papst trifft Lula

São Paulo Papst Benedikt XVI. hat sich in Brasilien in gespannter Atmosphäre mit Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva getroffen. Die Zusammenkunft hinter verschlossen Türen in São Paulo dauerte heute rund eine halbe Stunde.

Über den Inhalt des Gesprächs wurde vorerst nichts bekannt. Sprecher der Zentralregierung in Brasilia hatten allerdings kurz vor dem Treffen die Sorge geäussert, der Papst könne das umstrittene Thema Abtreibung zur Sprache bringen.

Lula hatte sich jüngst für eine Lockerung des Abtreibungsrechts in Brasilien ausgesprochen. Beim Treffen mit dem Papst wollte er sich aber nach Regierungsangaben auf Themen wie Familie und Jugend konzentrieren. Ausserdem wollte er eine engere Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat bei der Bekämpfung von Hunger und Armut erörtern.

Haltung «unangebracht»

Ein heftiger Streit überschattet die erste Überseereise des deutschen Papstes. Brasiliens Gesundheitsminister José Temporo kritisierte die Haltung Benedikts bei der eventuellen Exkommunikation von Pro-Abtreibungs-Politikern als «unangebracht».

«Man darf nicht einer ganzen Gesellschaft Dogmen und Gebote einer bestimmten Religion aufzwingen wollen», so Temporo. Der Minister forderte, man müsse in Sachen Abtreibung in erster Linie hören, was die Frauen zu sagen hätten.

Exkommunikation verteidigt

Bereits auf dem Weg in das grösste Land Lateinamerikas hatte der Papst Stellung zu einer Liberalisierung des Abtreibungsrechtes in Mexiko-Stadt genommen und die Exkommunikation mexikanischer Parlamentarier verteidigt.

Auf brasilianischem Boden sagte er dann, die lateinamerikanische Bischofskonferenz in Aparecida, die er am Sonntag eröffnen wird, werde «den Respekt des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende fördern». Diese Eröffnung ist der offizielle Anlass der ersten Überseereise des Papstes.

Als erster Höhepunkt der insgesamt sechstägigen Reise stand ein Treffen des Papstes mit Jugendlichen am Donnerstagabend im Fussballstadion von São Paulo auf dem Programm. Am Freitag ist eine Messe unter freiem Himmel vorgesehen, zu der über eine Million Menschen erwartet werden. (sda)

Deine Meinung