Paraguay vs. Japan: Paraguay gewinnt im Penaltyschiessen
Aktualisiert

Paraguay vs. JapanParaguay gewinnt im Penaltyschiessen

Der zweitletzte Viertelfinalist an der WM in Südafrika heisst Paraguay. Die Südamerikaner bezwangen Japan nach torlosen 120 Minuten im Penaltyschiessen.

Nach langweiligen und torlosen 120 Minuten war die tragische Figur der entscheidenden Phase ein Japaner. Rechtsverteidiger Yuichi Komano von Jubilo Iwata traf als einziger der neun Spieler das Tor nicht. Sein Schuss prallte an die Latte. Den entscheidenden Penalty für Paraguay versenkte Oscar Cardozo eiskalt.

Südamerika stellt als stärkster Kontinent mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay erstmals überhaupt die Hälfte der Viertelfinal-Teilnehmer. Paraguay steht im achten WM-Turnier erstmals im Viertelfinal. Japan, das erstmals an einer WM eine Verlängerung (und ein Penaltyschiessen) zu bestreiten hatte, schied bei der zweiten Achtelfinal-Teilnahme nach 2002 erneut aus.

Langweilige 120 Minuten

Was die Zuschauer im letzten WM-Spiel in Pretoria zu sehen bekamen, war Fussball zum Abgewöhnen. Die Quote erfolgreicher Pässe (60 Prozent Paraguay, 53 Japan) sprach Bände, keines der beiden Teams wollte zuviel Risiko eingehen. Deshalb waren die Chancen an einer Hand abzuzählen.

Der Entscheidung nach 120 Minuten weniger weit entfernt stand Japan. Yasuhito Endo, der im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark (3:1) ein schönes Freistosstor erzielt hatte, sah in der 22. Minute einen Schuss von der Latte abprallen. Fünf Minuten vor der Pause verfehlte Keisuke Honda, auch er hatte gegen Dänemark per Freistoss getroffen, das Ziel knapp.

Die beste Möglichkeit, die «Albirroja» vorzeitig in den WM-Viertelfinal zu hieven, vergaben auf der Gegenseite Roque Santa Cruz (28.) und in der Overtime dann Lucas Barrios (95.), jeweils mittels Kopfball.

Paraguay - Japan 0:0 n.V.; 5:3-Sieger im Penaltyschiessen

Lotus Versfield Stadium, Pretoria. - 36 742 Zuschauer. - SR De Bleeckere (Be).

Penaltyschiessen: Barreto 1:0. Endo 1:1. Barrios 2:1. Hasebe 2:2. Riveros 3:2. Komano - (Latte). Valdez 4:2. Honda 4:3. Cardozo 5:3.

Paraguay: Villar; Bonet, Da Silva, Alcaraz, Morel; Vera, Ortigoza (75. Barreto), Riveros; Santa Cruz (94. Cardozo), Barrios, Benitez (60. Valdez).

Japan: Kawashima; Komano, Nakazawa, Tulio Tanaka, Nagatomo; Abe (81. Kengo Nakamura); Hasebe, Matsui (66. Okazaki), Endo, Okubo (106. Tamada); Honda.

Bemerkungen: Paraguay ohne Victor Caceres (gesperrt). 22. Lattenschuss von Endo. Verwarnungen: 58. Matsui (Hands). 72. Nagatomo (Foul). 90. Honda (Hands). 114. Endo (Foul). 118. Riveros (Hands).

Vor dem Spiel

Mit Sicherheit stösst ein krasser Aussenseiter in die Viertelfinals vor. Paraguay steht in der Weltrangliste auf Platz 31, Japan auf Position 45. In der Runde der letzten acht standen beide Teams noch nie. Paraguay war schon dreimal Achtelfinalist, scheiterte dort aber immer gegen europäische Gegner: 1986 mit 0:3 gegen England, 1998 mit 0:1 nach Verlängerung gegen Frankreich und 2002 mit 0:1 gegen Deutschland. Japan stand bisher nur an der Heim-WM vor acht Jahren in den Achtelfinals. Endstation war damals die Türkei (0:1).

Die Favoritenrolle gehört zweifellos den Südamerikanern, welche die Vorrunde in der Poule mit Italien trotz einem zuletzt enttäuschenden 0:0 gegen Neuseeland als Gruppensieger abgeschlossen haben. Zudem sind Mannschaften aus Südamerika an einer WM noch nie von einem asiatischen Team besiegt worden. Nordkorea konnte Chile 1966 ein 1:1 abringen, Südkorea holte sich 1994 gegen Bolivien ein 0:0, daneben zogen aber acht Mal die Asiaten im Vergleich der Kontinente den kürzeren.

Japans neue Spezialität: Freistösse

«Nichts ist unmöglich», heisst es in der Werbung eines japanischen Auto-Produzenten, und dasselbe sagt auch Japans Sturmspitze Keisuke Honda, der beim ZSKA Moskau spielt und nur einer von vier Spielern des WM-Kaders ist, die nicht im eigenen Land unter Vertrag stehen: «Ich habe schon vor Beginn des Turniers gesagt, dass der WM-Titel nicht unmöglich ist.» Davon sind die Japaner zwar noch weit weg, aber inzwischen wird die ebenfalls recht optimistische Zielsetzung von Trainer Takeshi Okada («Wir wollen in die Halbfinals») nicht mehr belächelt.

Die Paraguayer haben erkannt, was sie in erster Linie vermeiden müssen. «Fouls in Tornähe darf es keine geben», fordert Coach Gerardo Martino. Er spricht damit die beiden Freistoss-Tore an, mit denen Honda und Yusuhito Endo im Vorrundenspiel beim 3:1 gegen Dänemark brillierten. Die Japaner stellten damit unter Beweis, dass sie nicht nur unermüdlich rennen, sondern auch den viel kritisierten Jabulani trickreich bewegen können.

Auf Seiten der Südamerikaner hofft man auf das erste Tor eines Stürmers. An Prominenz fehlt es Paraguay in der Offensive nicht. Aber weder Nelson Valdez und Lucas Barrios (beide Borussia Dortmund) noch Roque Santa Cruz (Manchester City) waren bisher erfolgreich.

(si)

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