Umstrittenes Netzwerk Uniter: «Paramilitärische Gruppe plant Treffen in Luzern»
Aktualisiert

Umstrittenes Netzwerk Uniter«Paramilitärische Gruppe plant Treffen in Luzern»

Die Juso sorgt sich, dass sich die «paramilitärische Organisation Uniter» wieder in Luzern treffen will. Der Verein wehrt sich gegen die Vorwürfe.

von
Daniela Gigor
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Wo das Uniter-Treffen am Freitag, 8. November im Kanton Luzern stattfinden soll, wird der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben.

Wo das Uniter-Treffen am Freitag, 8. November im Kanton Luzern stattfinden soll, wird der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben.

uniter-network.de
Die Ankündigung der Veranstaltung vom Freitag ist etwa auf Facebook zu lesen.

Die Ankündigung der Veranstaltung vom Freitag ist etwa auf Facebook zu lesen.

Facebook
Laut einem Mitglied von Uniter unterstützt der Verein auch Kinder.

Laut einem Mitglied von Uniter unterstützt der Verein auch Kinder.

uniter-network.de

Die Deutsche Gruppierung Uniter plant für Freitag, den 8. November einmal mehr im Kanton Luzern ein Treffen im Geheimen. Diese Ankündigung dafür ohne genauere Ortsangabe, die etwa auf Facebook zu finden ist, ruft nun die Juso auf den Plan: «Uniter versucht, Sicherheitsbehörden zu unterwandern und trainiert für einen rechtsterroristischen Umsturz unserer Demokratie», schreibt sie.

Laut Juso unterhält Uniter mutmasslich Verbindungen «zu rechtsextremen Netzwerken wie etwa dem Nationalsozialistischen Untergrund NSU.» Auch der rechtsextreme Attentäter von Christchurch habe womöglich Verbindungen zu Uniter gehabt.

Gemäss Eigendarstellung sei Uniter ein Netzwerk von ehemaligen Soldaten, Polizei- und Sicherheitskräften, das das Ziel verfolge, seine Mitglieder dabei zu unterstützen, wieder ins zivile Arbeitsleben einzugliedern, schreibt die Juso.

Juso fordert erhöhte Wachsamkeit der Wirte

Der Absender der E-Mail sagt weiter: «Wenn solche Strukturen im Entstehen begriffen sind, muss man etwas dagegen machen.» Aus Angst vor Repressalien will der Juso-Mann anonym bleiben.

Ausserdem wirft er der Luzerner Polizei und deren Vorsteher, Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP), vor, dass sie sich bis zum heutigen Tage nicht über Uniter geäussert haben. Fakt sei, dass Uniter bisher drei Treffen auf Luzerner Kantonsgebiet abgehalten habe. «Im vergangenen Juli ist es uns gelungen, das geplante Treffen zu verhindern», sagt das Juso-Mitglied weiter.

Konkret verlangt die Juso nun von Winiker, «entschieden gegen diesen Verein vorzugehen und Vorkehrungen zu treffen, damit unser Sicherheitsapparat nicht der Gefahr ausgesetzt ist, unterwandert zu werden». Auch rufen die Juso alle Gastwirte und Vermieter zu «erhöhter Wachsamkeit» auf. Denn: «Häufig sind diese Treffen als privates Geburtstagsfest oder ähnliches getarnt.»

Uniter gibt zu, dass es «schwarze Schafe» im Verein gab

Ein anonymes Mitglied von Uniter, das seit acht Jahren in der Schweiz lebt, widerspricht den Juso-Vorwürfen: «Grundsätzlich werden wir immer in die rechte Ecke geschoben. Das ist alles Quatsch. Wir können aber wie bei allen anderen Organisationen nicht garantieren, ob nicht schwarze Schafe unter uns sind, die jedoch, wenn belastbare Erkenntnisse dazu vorliegen, satzungsgemäss zu jedem Zeitpunkt von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen werden.» Es sei falsch, derartige Vorwürfe auf den gesamten Verein umzumünzen. Der Verein, der um die 2000 Mitglieder zähle, sei den Linken ein Dorn im Auge, weil die Mitglieder ursprünglich aus der Uniform-Szene kommen würden.

Laut Angaben des Mitglieds seien in Deutschland inzwischen alle Vorwürfe gegen sie geprüft und widerlegt worden. Auch habe sich der Verein neuen Mitgliedern aus beruflicher Sicht geöffnet: «Bei uns sind auch Rechtsanwälte, Ärzte oder auch Hauswarte aller Nationen zu finden.» Auch könne sich jeder für das Zusammentreffen in Luzern anmelden, der Interesse an der Organisation habe. Diese Personen würden allerdings überprüft, bevor ihnen der Veranstaltungsort bekannt gegeben wird. Der Mann sagt: «Mitglieder der Antifa wollen wir nicht.»

Uniter sieht sich nahe von Rotary oder Kiwanis

Denn die Antifa sei es gewesen, die das vorgesehene dritte Treffen im Juli 2019 im Kanton Luzern gestört habe: «Sie drohten dem Wirt, den Laden auseinanderzunehmen. Darum sagte er uns ab.» Das Treffen habe dann an einem anderen Ort stattgefunden.

Aus politischer Sicht sieht er die Uniter-Mitglieder weder rechts noch links und sagt sogar: «Im Gegenteil, wir helfen Leuten, die aus der rechten Seite aussteigen wollen.» Ziel des Vereins sei es, Personen beim beruflichen Wiedereinstieg zu helfen. «Vergleichbar sind die Uniter mit den Service-Clubs wie Rotary oder Kiwanis», so der Mann.

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