Aktualisiert 30.01.2020 10:58

Vorstoss der Erdogan-ParteiPardon für Vergewaltiger, die junges Opfer heiraten

In der Türkei sorgt ein Gesetzentwurf für Entsetzen: Missbrauch an jungen Frauen soll straffrei werden, wenn der Täter das Opfer heiratet.

von
trx
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Ein Gesetzentwurf sorgt Ende Januar 2020 in der Türkei für Entsetzen.

Ein Gesetzentwurf sorgt Ende Januar 2020 in der Türkei für Entsetzen.

epa/Erdem Sahin
Demnach soll Missbrauch an jungen Frauen straffrei werden, wenn der Täter das Opfer heiratet.

Demnach soll Missbrauch an jungen Frauen straffrei werden, wenn der Täter das Opfer heiratet.

epa/Erdem Sahin
Der Vorstoss stammt aus den Reihen der AKP-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der Vorstoss stammt aus den Reihen der AKP-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

AP/Burhan Ozbilici

Die türkische Regierung will erneut einen Gesetzentwurf einbringen, durch den der Missbrauch von Minderjährigen im Falle einer Eheschliessung straffrei werden könnte. Das Gesetz sieht vor, dass Männer, die mit Minderjährigen Sex hatten, juristisch nicht belangt werden sollen, wenn sie ihr Opfer heiraten. Es muss zwar von beiden Seiten Freiwilligkeit vorliegen, doch Kritiker befürchten, dass die Täter und die Familie der Opfer Druck auf diese ausüben könnten.

Frauenorganisationen in der ganzen Welt zeigten sich schockiert über den Vorschlag. «Neben der Tatsache, dass ­Vergewaltigungen legitimiert würden, würden Frauen gezwungen, für den Rest ihres ­Lebens mit ihrem schlimmsten Albtraum zusammenzuleben», twitterte die pakistanische TV-Moderatorin Aleena Farooq Shayk.

Der türkischstämmige NBA-Spieler Enes Kanter schreibt: «Heirate deinen ­Vergewaltiger? Das ist inakzeptabel!» Auch die UNO warnt, das Gesetz legitimiere den Kindesmissbrauch. Adem Sözüer, Leiter des kriminologischen Instituts der Uni Istanbul, warnte vor einer Zunahme von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Das Gesetz zementiere zudem «die Mentalität, dass Frauen Besitztümer seien und zur sexuellen Befriedigung existierten».

2016 war ein ähnliches Gesetz gescheitert

Bereits vor rund vier Jahren hatte die AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan einen ähnlichen Gesetzentwurf eingebracht. Nach landesweiten Protesten war das Reformprojekt des damaligen Justizministers Bekir Bozdag aber wieder auf Eis gelegt worden.

Diesmal habe Präsident Erdogan persönlich verkündigt, dass die Vorbereitungen für einen neuen Reformvorstoss abgeschlossen seien, berichtet die türkische Zeitung «Birgün».

Laut UNO-Zahlen haben 38 Prozent der türkischen Frauen schon einmal physischen oder sexuellen Missbrauch durch einen Partner erlebt. In den letzten zehn Jahren wurden im Land rund 480'000 Mädchen unter 18 Jahren verheiratet.

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