Adliswil ZH: Parfums für Prostituierte statt Fronarbeit

Aktualisiert

Adliswil ZHParfums für Prostituierte statt Fronarbeit

Ein zu gemeinnütziger Arbeit verurteilter IV-Rentner aus Adliswil hatte etwas falsch verstanden. So trat er die 360 Stunden Fronarbeit nicht an und begab sich stattdessen auf eine Diebestour. Nun drohen ihm 720 Stunden.

von
Attila Szenogrady

Was ist hier schief gelaufen? Fest steht, dass der heute 36-jährige IV-Rentner aus Adliswil im letzten Februar einen Strafbefehl von der Zürcher Staatsanwaltschaft erhielt. Darin wurde er für diverse Delikte zu 360 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Da der langjährige Drogenkonsument bereits viel zu viel auf dem Kerbholz hat, gab es keine Bewährungschance mehr.

Diebestour statt Fronarbeit

Dann passierte allerdings nicht mehr viel. Irgendwie ging der Angeklagte vergessen. Nachdem er eine erste Aufforderung zum Erscheinen vor den Behörden nicht befolgt hatte, geschah nichts. So kam es zur grotesken Situation, dass sich der Fürsorgebezüger von sich aus wieder nützlich machte. Allerdings setzte er sein Talent und seinen Fleiss nicht für seine Strafverbüssung, sondern als Dieb und Einbrecher ein.

Die Anklageschrift schilderte, wie der Adliswiler zwischen Februar und April 2009 vor allem in der Zürcher City sein Unwesen trieb.

Gestohlene Parfums an Prostituierte verscherbelt

Zu seinen beliebtesten Zielobjekten gehörten grosse Warenhäuser. So auch am 8. März, als er in das Kaufhaus der Jelmoli AG einbrach Dabei entwendete er neben diversen Uhren auch zahlreiche teuere Parfums aus der Kosmetikabteilung.

Wenig später verscherbelte er die feinen Düfte an mehrere Prostituierte an der Langstrasse. Es folgten diverse weitere Brüche. Der gesamte Deliktsbetrag von rund 10 000 Franken konnte sich sehen lassen.

Ein neuer Anlauf

Für die zuständige Staatsanwältin war das Mass voll. Sie erhob im letzten Juli Anklage wegen gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung sowie mehrfachen Hausfriedensbruchs. Als Strafantrag verlangte sie neu 720 Stunden gemeinnützige Arbeit. Ebenfalls unbedingt.

Am Mittwoch stand der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und gab alle Vorwürfe zu. Er erklärte sich auch bereit, - diesmal aber wirklich – die gemeinnützige Arbeit aufzunehmen, um endlich eine geordnete Tagesstruktur zu erhalten. Auch seine Verteidigerin plädierte auf Fronarbeit.

Das Gericht setzte ein Urteil noch aus und will abwarten, wie der Angeklagte zuerst die Fronarbeit in Angriff nimmt. Sollte diese scheitern, könnte dem Adliswiler zur Abwechslung auch wieder einmal eine unbedingte Freiheitsstrafe drohen.

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