Aktualisiert 07.06.2012 15:22

Es weht ein neuer WindParis kämpft gegen Entlassungen

Die französische Regierung wehrt sich dagegen, dass Unternehmen Jobs streichen, um ihren Profit zu steigern und die Dividende für die Aktionäre zu erhöhen.

Der französische Präsident François Holland macht vorwärts mit der Umsetzung seiner Wahlversprechen.

Der französische Präsident François Holland macht vorwärts mit der Umsetzung seiner Wahlversprechen.

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der Furcht vor einer Entlassungswelle will die französische Regierung die Kosten für den Stellenabbau nach oben treiben. Frankreich will Entlassungen für die Unternehmen so teuer machen, dass sie sich nicht lohnen.

«Es geht nicht um Bestrafung, aber Arbeitnehmer müssen einen richtigen Ausgleich erhalten», sagte Arbeitsminister Michel Sapin am Donnerstag in einem Interview mit France Info. Die Regierung werde nicht untätig bleiben, wenn Unternehmen Jobs streichen, um ihre Profitabilität zu steigern und die Dividende für ihre Anteilseigner zu erhöhen.

Verkauf statt Werkschliessung

Frankreich bestreitet damit einen anderen Weg als Italien und Spanien, die das Heuern und Feuern unter dem Druck der Wirtschafts- und Schuldenkrise erleichtert haben. Parallel zu den Plänen Sapins arbeitet Industrieminister Arnaud Montebourg an einem Gesetz, das Werkschliessungen verhindern soll.

Stattdessen sollen die Unternehmen gezwungen werden, den Betrieb zum Marktpreis zu verkaufen. Mit den Initiativen setzt die Regierung ein weiteres Wahlversprechen des neuen Präsidenten Francois Hollande um.

Arbeitslosenquote über 10 Prozent

Die sozialistische Regierung und die Gewerkschaften befürchten eine Entlassungswelle nach den Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni. In Frankreich wird weithin erwartet, dass Unternehmen geplante Stellenstreichungen bis nach den beiden Wahlgängen verschieben, um das konservative Lager nicht weiter zu schwächen.

Die Arbeitslosenquote stieg bereits im ersten Quartal auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Sommer 1999, wie das Statistik-Amt Insee mitteilte. Selbst während der weltweiten Finanzkrise 2008/09 war die Arbeitslosigkeit nicht so hoch.

(sda)

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