Paris: Polizei räumt grösstes Elendsquartier

Aktualisiert

Paris: Polizei räumt grösstes Elendsquartier

Die französischen Behörden haben ein früheres Studentenwohnheim geräumt, in dem seit fünf Jahren etwa 1000 Menschen illegal lebten, die meisten von ihnen Zuwanderer aus Afrika.

Die Linksparteien verurteilten die Aktion als Machtdemonstration des Innenministers Nicolas Sarkozy mit Blick auf die Präsidentenwahl 2007. Das Ministerium begründete die Evakuierung des Gebäudes mit Brandgefahr durch manipulierte Stromleitungen. Man habe «ein menschliches Drama vermeiden» wollen.

Ein Verwaltungsgericht hatte bereits 2004 die Räumung angeordnet. In dem fünfstöckigen Gebäude mit 300 Zimmern lebten nach Angaben der Hausbesetzer 1000 Einwanderer vor allem aus Mali und der Elfenbeinküste, darunter 200 Kinder.

Am Morgen spielten sich dramatische Szenen ab: «Die Polizisten haben alle Zugänge blockiert, sie sind auf allen Etagen», beschrieb ein Mitarbeiter der Organisation RESF, Pablo Krasnopolsky, am Telefon das Geschehen. Die Bewohner hätten sich verschanzt, Gegenstände aus den Fenstern geworfen, viele Kinder hätten geweint. Die Bewohner seien einzeln aus dem Gebäude geführt worden.

Der Präfekt von Val-de-Marne, Bernard Tomasini, teilte am Nachmittag mit, es seien etwas mehr als 535 Menschen angetroffen worden, von denen 49 keine Aufenthaltsgenehmigung gehabt hätten. 69 Menschen seien vorübergehend festgenommen worden. Er rechtfertigte das Vorgehen der Polizei und wies darauf hin, dass niemand bei der Aktion verletzt worden sei. Festnahmen von Hausbewohnern gab es auch an umliegenden Bahnhöfen.

Die Hausbesetzer wurden mit Bussen zu Hotels gefahren, wo die Behörden 300 Zimmer für sie angemietet haben. Verhandlungen über eine freiwillige Räumung waren an der Forderung der Afrikaner gescheitert, allen ausser Unterkunft auch ein dauerhaftes Bleiberecht zu geben. Linke Unterstützergruppen befürchten nun Massenabschiebungen.

Das Risiko eines Brandes durch einen Kurzschluss in dem Gebäude sei extrem hoch gewesen, weil die Leitungen an zahlreichen Stellen angezapft worden seien. Bei mehreren Bränden in Elendsquartieren waren im vergangenen Sommer in Paris 50 Menschen ums Leben gekommen, die meisten Opfer waren Zuwanderer aus Afrika. (dapd)

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