Aktualisiert 21.06.2019 11:03

Frauenquote

Parlament will mehr Frauen in der Chefetage

In Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grossen Schweizer Firmen gelten künftig Frauenquoten. Nach dem National- gibt auch der Ständerat grünes Licht.

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rol
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Das Parlament folgt dem Antrag des Bundesrats: Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent und in Geschäftsleitungen 20 Prozent betragen. Bundesrätin Karin Keller-Sutter war am Mittwoch im Ständerat für den bundesrätlichen Vorschlag und kam durch.

Das Parlament folgt dem Antrag des Bundesrats: Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent und in Geschäftsleitungen 20 Prozent betragen. Bundesrätin Karin Keller-Sutter war am Mittwoch im Ständerat für den bundesrätlichen Vorschlag und kam durch.

Keystone/Christian Beutler
Die Frauenquoten betreffen börsenkotierte Aktiengesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden, das sind rund 200 Unternehmen in der Schweiz. Nach Inkrafttreten erhalten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um den Geschlechter-Richtwert im Verwaltungsrat zu erfüllen – in der Geschäftsleitung beträgt diese Übergangszeit zehn Jahre.

Die Frauenquoten betreffen börsenkotierte Aktiengesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden, das sind rund 200 Unternehmen in der Schweiz. Nach Inkrafttreten erhalten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um den Geschlechter-Richtwert im Verwaltungsrat zu erfüllen – in der Geschäftsleitung beträgt diese Übergangszeit zehn Jahre.

Keystone/Jean-christophe Bott
Das sind die wichtige Wirtschaftsfrauen in der Schweiz: Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.

Das sind die wichtige Wirtschaftsfrauen in der Schweiz: Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.

Davide Agosta

Fünf Tage nach dem Frauenstreiktag sagt der Ständerat Ja zu Frauenquoten in grösseren Unternehmen. Der Rat unterstützt damit den Vorschlag des Bundesrats: Künftig muss der Frauenanteil in Verwaltungsräten mindestens 30 Prozent und in Geschäftsleitungen 20 Prozent betragen.

Die Regelung betrifft börsenkotierte Aktiengesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden, betroffen davon sind in der Schweiz rund 200 Unternehmen. Der Ständerat beschloss die Frauenquoten im Rahmen der Revision des Aktienrechts. Die kleine Kammer stellte sich dabei gegen ihre Kommission, die nur einen Richtwert für Verwaltungsräte wollte. Sie folgte mit 27 zu 13 Stimmen dem Antrag einer Minderheit.

Keine Sanktionen

Nach Inkrafttreten des neuen Rechtes erhalten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um den Richtwert im Verwaltungsrat zu erfüllen – in der Geschäftsleitung beträgt diese Zeitspanne zehn Jahre. Erreichen die Firmen diese Geschlechter-Richtwerte nicht, drohen ihnen allerdings keine Sanktionen. Die Firmen müssen lediglich öffentlich (im jährlichen Vergütungsbericht) begründen, weshalb die Quote nicht erreicht wurde und dort auch Massnahmen aufzeigen, wie sie den Frauenanteil erhöhen wollen.

Letzten Sommer hatte bereits der Nationalrat den Frauenquoten in beiden Gremien mit hauchdünner Mehrheit (95 zu 94 Stimmen) zugestimmt.

Der Frauenanteil an der Spitze von Schweizer Unternehmen liegt deutlich unter den geforderten Geschlechterrichtwerten. Erst jedes fünfte Verwaltungsratsmitglied ist weiblich (21 Prozent). Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Firmen beträgt gar nur 9 Prozent. Noch immer sitzen in über der Hälfte der Geschäftsleitungen überhaupt keine Frauen. Das zeigen die Zahlen im sogenannten Schilling-Report 2019.

«Gendermix bleibt Generationenprojekt»

Für Guido Schilling, Chef der Kadervermittlungsfirma Schillingpartners, die den Report verfasst, ist die Frauenquote auf Geschäftsleitungebene ein wichtiger Schritt: «Es bleibt aber ein Generationenprojekt, bis dort für den angestrebten Gendermix genügend Frauen zur Verfügung stehen.»

Doch die Zeichen für einen Wandel stünden gut. 2018 hätten die grossen Unternehmen erstmals 64 Prozent der neuen weiblichen Mitglieder intern in die Geschäftsleitung befördert. Moderne Unternehmen hätten bereits gezielte Massnahmen eingeleitet, um den Anteil von Frauen in den Führungspositionen zu erhöhen.

Jetzt solle der Staat nachziehen und gut ausgebildeten Frauen ermöglichen, auch mit Familie Karriere zu machen. «Dazu braucht es vor allem bessere Strukturen für die externe Kinderbetreuung, insbesondere Tagesstrukturen an den Schulen», ergänzt Schilling. (rol/sda)

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