Aktualisiert 01.06.2017 10:04

Anstössiges LogoParlamentarier erhalten Post von Ufo-Sekte

Nationalräte bekamen diese Woche einen Brief, auf dem ein Davidstern mit Hakenkreuz abgebildet ist. Er stammt von den Raelianern.

von
daw
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Diesen Brief bekam SVP-Nationalrat Claudio Zanetti.

Diesen Brief bekam SVP-Nationalrat Claudio Zanetti.

800 Seiten dick: der umstrittene Atlas der Schöpfung eines islamischen Kreationisten.

800 Seiten dick: der umstrittene Atlas der Schöpfung eines islamischen Kreationisten.

Irritiert: SVP-Nationalrat Claudio Zanetti.

Irritiert: SVP-Nationalrat Claudio Zanetti.

Keystone/Alessandro Della Valle

Dass Mitglieder der eidgenössischen Räte mit Post von Lobbyisten überhäuft werden, ist nichts Aussergewöhnliches. Am Dienstag erhielten Parlamentarier aber einen Brief, der im Bundeshaus für Kopfschütteln sorgt: «Ich habe leer geschluckt, als mir ein Davidstern mit Hakenkreuz entgegengesprungen ist», sagt SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. Das Symbol sei klar antisemitisch: «Das ist dermassen infam, dass es nur eine Interpretation zulässt.»

Der Davidstern mit Hakenkreuz ist das Symbol der Rael-Bewegung, deren Gründer, Claude Vorilhon, eine Botschaft von Ausserirdischen empfangen haben will: Hochentwickelte Ausserirdische sollen den Menschen erschaffen haben (siehe Box). Die Raelianer hatten das Hakenkreuz zwischenzeitlich durch ein Gänseblümchen ersetzt, sind inzwischen aber zum Hakenkreuz zurückgekehrt.

«Werbung durch Provokation»

«Maximale Provokation ist in der Öffentlichkeitsarbeit der Bewegung Programm», sagt Georg Otto Schmid von der Informationsstelle Relinfo.ch. So habe sich die Bewegung in der Vergangenheit nicht nur für die Entkriminalisierung des Hakenkreuzes eingesetzt, sondern auch das Märchen in die Welt gesetzt, ein Baby geklont zu haben.

Im Brief fordert die Sekte die Parlamentarier auf, ein weltweites Verbot von Nuklearwaffen zu unterstützen, über das die UNO derzeit diskutiert. Für Religionsexperte Schmid ein Strategiewechsel: «Bislang lag auf den Atomwaffen kein Fokus. Die provokativen Aktionen haben dem Image eher geschadet, darum versucht man nun offenbar, sich mit unverfänglichen Themen ins Gespräch zu bringen.»

Laut Schmid hat die Bewegung in der Westschweiz einige Tausend Anhänger, in der Deutschschweiz seien es weit weniger. Das Sekretariat der Rael-Bewegung war am Mittwoch für 20 Minuten nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dickes Buch eines islamischen Kreationisten

Parlamentarier erhalten immer wieder Post von umstrittenen religiösen Gruppierungen. So bekamen sie unlängst das aufwendig gestaltete, über 700 Seiten starke Buch eines islamischen Kreationisten zugeschickt – mehrere Kilo schwer. Der «Atlas der Schöpfung» stammt vom türkischen Autor Adnan Oktar alias Harun Yahya. Dieser will mit Wackelbildern von Tieren und Fossilien nachweisen, dass sich alle heute lebenden Tierarten seit der Schöpfung nicht verändert haben. Oder kurz: Darwins Evolutionstheorie widerlegen.

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sagt: «Die Herstellung der Bücher muss ein Vermögen gekostet haben. Es ist beängstigend, wenn jemand so viel Geld hat, um derartige Ideen zu verbreiten.»

Auch Rosmarie Quadranti von der BDP hat das Buch bekommen. Sie habe den Absender nicht evaluieren können, schicke solche Post in der Regel aber an den Absender zurück – mit dem Vermerk, dass sich «mein Altpapier solchem Quatsch verweigert».

Die Ufo-Bewegung

Anführer der in den 70er-Jahren gegründeten Rael-Bewegung ist der ehemalige französische Journalist Claude Vorilhon alias Raël. Er will gesehen haben, dass Ausserirdische aus einem UFO entstiegen sind. Bei der angeblichen Sichtung soll er die Botschaft erhalten haben, dass das Menschengeschlecht durch die Elohim erschaffen wurden. Die Elohim sind laut der Homepage der Bewegung «sehr weit fortgeschrittene, außerirdische Wissenschaftler». Die Rael-Bewegung will das Klonen von Menschen ermöglichen.

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