Aus allen Fraktionen: Parlamentarier stärken Dalai Lama den Rücken
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Aus allen FraktionenParlamentarier stärken Dalai Lama den Rücken

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter war heute im Bundeshaus zu Besuch. Bei einem informellen Austausch zeigten sich National- und Ständeräte solidarisch mit ihm und seinem Volk.

Parlamentarier aller Parteien zeigen Solidarität mit dem Engagement des Dalai Lama. Bei einem informellen Austausch im Bundeshaus erwiesen sie dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter Anerkennung für dessen «unermüdliche und gewaltfreie» Friedensbemühungen.

Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne/BL) nahm den Dalai Lama am Dienstag vor dem Haupteingang des Bundeshauses in Empfang. Anlass für das Treffen sei die Sorge um die aktuelle Lage in Tibet, sagte Nationalrätin Tiana Angelina Moser (GLP/ZH) vor den Medien in Bern. Die Verzweiflung der Tibeter finde immer häufiger «traurigen Ausdruck in Selbstverbrennungen».

Die Parlamentarische Gruppe Tibet sowie die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) fordern laut Moser auch ein stärkeres Engagement der Schweiz für die Grundrechte in Tibet. Das Anliegen sei in allen Fraktionen abgestützt.

Der Dalai Lama selbst freute sich, wieder einmal in der Schweiz zu sein. Die Tibeter, die in der Schweiz leben, seien sehr glücklich und gut integriert. «Und was noch wichtiger ist: Sie haben ein gutes Verhältnis mit den Einheimischen», sagte der Friedensnobelpreisträger vor den Medien.

Zu Besuch an der Uni Bern

Am Dienstag hat der Dalai Lama im Rahmen seines Schweiz-Besuchs auch Studierende der Universität Bern getroffen. Das Oberhaupt der Tibeter sprach an der nicht öffentlichen Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit.

In gewohnt freundlicher und humorvoll-verschmitzter Weise wandte sich der Friedensnobelpreisträger von 1989 an die Berner Studentinnen und Studenten: Seine Generation gehöre der Vergangenheit an, sagte der fast 78-Jährige. Den Jungen gehöre die Zukunft. «Für mich heisst es schon bald bye bye»

Ihnen legte der Dalai Lama ans Herz, das 21. Jahrhundert zu einer Zeit des Friedens und des Dialogs zu machen. Dabei sei es wichtig, die Menschheit als ein Ganzes wahrzunehmen. Dementsprechend brauche es auch ein globales Verantwortungsbewusstsein.

Statt in Krieg und Waffen zu investieren, sollte das Geld besser in nachhaltige Technologien investiert werden. Nachhaltigkeit könne helfen, einen Ausgleich zu schaffen, etwa zwischen Arm und Reich.

Nach seinem Vortrag antwortete der Dalai Lama auf verschiedene Studentenfragen. Diese drehten sich um Themen wie Religion, aber auch um ganz Alltägliches, wie die jüngst aufgeflammten Diskussionen an Schweizer Universitäten, ob in den Mensen weniger Fleisch serviert werden solle.

Seit Freitag in der Schweiz

Der Dalai Lama hält sich seit Freitag in der Schweiz auf. Er referierte verschiedentlich und nahm buddhistische Unterweisungen und Initiationen vor. Am Mittwoch beendet er seinen Aufenthalt in der Schweiz mit einem Besuch im Tibet-Institut in Rikon ZH.

China besetzte Tibet 1951 und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen, wo ebenfalls zahlreiche Tibeter leben, mit harter Hand. Die Tibeter klagen seit Jahrzehnten über soziale und religiöse Diskriminierung. Heute leben etwa 128'000 Tibeter in der Diaspora, ihren Sitz hat die Regierung im nordindischen Dharamsala. (sda)

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