Parmalat-Ermittler im Tessin
Aktualisiert

Parmalat-Ermittler im Tessin

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat bei ihren Ermittlungen über den Parmalat-Skandal am Mittwoch einen Abstecher ins Tessin gemacht.

In Lugano stand ein Treffen mit der Bundesanwaltschaft (BA) auf dem Programm, wie die italienische Nachrichtenagentur Apcom meldete.

Bei dem Treffen mit einem Staatsanwalt des Bundes gehe es um die Übergabe von Unterlagen, die die Schweizer Bankkonten von Luca Sala beträfen. Der frühere Manager der Bank of America und ehemalige Parmalat-Berater wird von der Mailänder Staatsanwaltschaft der Geldwäscherei verdächtigt und soll sich laut italienischen Medienberichten bereit erklärt haben, rund 30 Millionen Dollar zurückzuerstatten, die auf Bankkonten im Ausland liegen.

Die Mailänder Staatsanwälte wollten laut Apcom im Tessin ausserdem auf dem Rechtshilfeweg eine Einvernahme in der Korruptionsaffäre um den italienischen Energiekonzern Enel beziehungsweise um dessen Engineering-Tochter Enelpower vornehmen. Italien hatte die Schweiz dazu bereits im Juni letzten Jahres um Rechtshilfe ersucht.

Die Bundesanwaltschaft (BA) wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Einzelne Ermittlungshandlungen in einem laufenden Verfahren würden nicht kommentiert, sagte BA-Sprecher Hansjürg Mark Wiedmer auf Anfrage. Die Bundesanwaltschaft hatte im vergangenen Januar im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des italienischen Parmalat-Konzerns ein Geldwäschereiverfahren gegen vier italienische Staatsangehörige eröffnet und Bankkonten gesperrt. Eine weitere Kontensperrung ordnete inzwischen auch das Bundesamt für Justiz auf Grund eines italienischen Rechtshilfegesuchs an. Es dürfte sich um ein Konto bei der Graubündner Kantonalbank (GKB) handeln. Weder die Bündner Staatsbank noch die Bundesbehörden haben bisher zu italienischen Medienberichten Stellung genommen, wonach es bei dem Geld um Kickback-Zahlungen an den früheren Bank-of-America-Manager Sala geht.

Abklärungen im Zusammenhang mit Parmalat sind auch bei der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) im Gang. Sie betreffen drei Finanzinstitute in der Schweiz. Im Falle der in Lugano domizilierten Effektenhändlerin Credito Privato Commerciale (CPC) werden die Verbindungen dieser Firma zu der an der gleichen Adresse ansässigen Parmalat-Tochter Geslat untersucht. Ebenfalls im Tessin hat die EBK Kontakte zur PKB Privatbank AG aufgenommen, nachdem bekannt geworden war, dass Zahlungen im Zusammenhang mit Parmalat-Verantwortlichen über ein Konto dieses Instituts abgewickelt worden waren. Schliesslich interessieren sich die Bankenaufseher auch für die Graubündner Kantonalbank.

Keinen Handlungsbedarf sah die EBK bisher hingegen im Falle der Grossbank UBS. Sie war im Zusammenhang mit der Ausgabe einer Parmalat-Anleihe ins Visier der italienischen Ermittler geraten. Laut italienischen Medienberichten figurieren zwei UBS-Angestellte auch auf der Liste der Verdächtigen. Dave Walker, UBS-Sprecher in London, sagte am Mittwoch auf Anfrage, die Grossbank sei bisher nicht formell über ein Ermittlungsverfahren informiert worden. Weitere Auskünfte zu der Affäre lehnte er ab. (dapd)

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