Parmalat gerettet
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Parmalat gerettet

Italien hat sich definitiv zur Rettung des vom Konkurs bedrohten Lebensmittelherstellers Parmalat entschlossen.

Dazu will die Römer Regierung die EU-Kommission auffordern, die EU- Subventionsregeln für den Milchmarkt zu lockern.

Gleichzeitig kündigte die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Dienstag ein Dekret an, mit dessen Hilfe die Sanierung zahlungsunfähiger Grosskonzerne und damit auch die Rettung von Parmalat deutlich erleichtert werden soll.

Vor allem sollen mit den getroffenen Massnahmen tausende Arbeitsplätze und landwirtschaftliche Zulieferbetriebe gesichert werden, sagte der zuständige Minister für Produktionstätigkeit Antonio Marzano.

Bilanzloch und -fälschung

In der Bilanz des Unternehmens klafft ein Finanzloch von bis zu 10 Mrd. Euro. Parmalat will nach italienischen Medienberichten noch am Dienstag Insolvenz und Gläubigerschutz beantragen. Damit könnte der Betrieb nach italienischem Recht zunächst weiter geführt werden.

Der Vorstand des Unternehmens sollte noch am Dienstagabend zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammentreten. Die Parmalat-Aktie wurde an der Mailänder Börse in Erwartung einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens für den ganzen Tag vom Handel ausgesetzt. Parmalat beschäftigt in 30 Ländern insgesamt 36 000 Menschen.

Der neue Konzernchef Enrico Bondi übergab unterdessen der Staatsanwaltschaft von Parma eine umfassende Dokumentation zur dramatischen Finanzlage des Unternehmens, hiess es.

Justiz handelt

Die Ermittler haben nach eigenen Angaben bereits einen groben Überblick über den Fall. So sei entdeckt worden, dass wichtige Dokumente gefälscht worden seien, berichteten italienische Medien. Der bisherige Parmalat Finanzchef Fausto Tonna habe die Verantwortung für die Bilanzfälschungen zurückgewiesen.

Der Finanzskandal war am vergangenen Freitag aufgedeckt worden, nachdem die Bank of America mitgeteilt hatte, dass ein angebliches Konto mit rund 4 Mrd. Euro, das in der Bilanz der Parmalat-Tochter Bonlat auftauchte, nicht existiere. Die Ermittler gehen davon aus, dass weitere Milliardenbeträge, die in der Bilanz erscheinen, in Wahrheit nicht vorhanden sind.

Notiz: Sie erhalten nach Entwicklung eine 2. Zusammenfassung.

(sda)

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