SVP-Streit: Parteiaustritt kommt für Spuhler nicht in Frage
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SVP-StreitParteiaustritt kommt für Spuhler nicht in Frage

Trotz parteiinterner Kritik an seiner früheren Tätigkeit als UBS-Verwaltungsrat denkt Nationalrat Peter Spuhler nicht an einen Austritt aus der SVP.

In einem Interview sprach er sich zudem gegen personelle Änderungen in der Parteileitung aus, bekräftigte aber sein Ja zur Personenfreizügigkeit.

Direkt kommentieren wollte Spuhler in dem am Mittwoch veröffentlichten Interview des «Tages-Anzeiger» den Vorwurf - etwa von alt Bundesrat Christoph Blocher - er habe als UBS-Verwaltungsrat versagt, nicht. Er sehe es aber nicht als Versagen, sagte Spuhler. Er sei vor viereinhalb Jahren mit der Absicht gewählt worden, dem Werkplatz Schweiz und den KMU eine Stimme zu geben. In der Finanzkrise habe sich aber gezeigt, dass andere Kompetenzen gefragt seien, also habe er seinen Rücktritt angeboten. «Konkret wüsste ich nicht, was ich hätte anders machen können», sagte der Chef von Stadler Rail und fügte an, immer wieder gegen hohe Boni gestimmt zu haben. «Doch ich bin unterlegen, manchmal als Einziger.» Seiner Ansicht nach wäre es aber falsch, alle Boni zu streichen. «Die grosse Mehrheit der UBS-Mitarbeiter hat ihren Bonus sicher durch gute Leistungen verdient. Nur bei etwa einigen Dutzend Mitarbeitern wurde übertrieben», zeigte sich Spuhler überzeugt und sprach sich dafür aus, die Anreize im Bonussystem kritisch zu hinterfragen und die Aktionärsrechte zu stärken.

Auf die Frage, ob er angesichts der internen Kritik noch in der richtigen Partei sei, antwortete der Thurgauer Nationalrat: «Ja, das bin ich. Ich stehe zum Gedankengut der SVP und fühle mich in ihr nach wie vor sehr wohl.» Er habe auch viele positive E-Mails von Fraktionsmitgliedern erhalten. Ein Rückzug aus der Politik sei für ihn kein Thema: «Ich bin nicht in die Politik gegangen, um dort die Harmonie zu suchen.»

Zur Rolle von Blocher in der SVP sagte Spuhler, er sei nötig für den Generationenwechsel im Präsidium. Und er glaube nicht, dass es in der SVP-Leitung personelle Änderungen brauche. Der Unternehmer unterstrich aber auch einmal mehr seine Haltung zur Personenfreizügigkeit: «Es geht hier um sehr viel. Wenn wir jetzt Nein sagen zur Personenfreizügigkeit, sind die gesamten Bilateralen I weg.» Damit ging Spuhler auf Distanz zur Parteileitung, die gleichentags verlauten liess, dass sie sich gegen die Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit mit der EU stelle. (dapd)

Malus von 140 000 Franken

Die Tätigkeit als UBS-Verwaltungsrat hat dem SVP- Nationalrat Peter Spuhler einen - vorläufigen - Malus von 140 000 Franken eingetragen, sagte der Thurgauer Unternehmer im Interview.

Über die vier Jahre verteilt habe er für seine Tätigkeit bei der UBS rund zwei Millionen Franken erhalten, sagte Spuhler - alles in Aktien zu einem Durchschnittspreis von 43 Franken. Darauf habe er 840 000 Franken Steuern bezahlt. Heute sei das Paket noch 700 000 Franken wert.

«Unter dem Strich habe ich also - Stand heute - 140 000 Franken verloren», stellte der Thurgauer Unternehmer fest. Das zeige, dass die Boni-Systeme gar nicht so schlecht seien. «Ich habe meinen Malus.»

Allerdings geht Spuhler davon aus, dass der UBS-Aktienkurs wieder steigen wird und ihm unter dem Strich ein Plus bescheren wird. In diesem Fall sei er gerne bereit, mit dem Kapital ein Start- up-Unternehmen im Thurgau zu finanzieren. «Es ging mir nie ums Geld.»

Als Mitglied des UBS-Vergütungsausschusses habe er im übrigen immer wieder gegen hohe Boni gestimmt. «Doch ich bin unterlegen, manchmal als Einziger.»

Dass man nun die Salär-Exzesse in den Griff bekommen müsse, sei klar. Dabei dürfe man aber das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. «Die grosse Mehrheit der UBS-Mitarbeiter hat ihren Bonus sicher durch gute Leistungen verdient.» Nur bei etwa einigen Dutzend Mitarbeitern sei übertrieben worden. (sda)

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