Aktualisiert 01.11.2012 08:50

WahlkampfParteien gehen für den Wahlkampf auf die Strasse

Der Wahlkampf in Bern geht in die heisse Phase. Mit Aktionen wollen sich zahlreiche Parteien gegenseitig übertrumpfen.

von
Christian Holzer

Auch im Zeitalter von Facebook und Twitter gehen Politiker auf der Strasse Stimmen sammeln. Gleich vier Parteien sorgten gestern mit Strassenaktionen für Aufsehen. Besonders aufgefallen ist die SP Bern Nord. Sie hat mit Kandidaten der Stadt- und Gemeinderatswahlen das Dach des Tramhäuschens auf dem Breitenrainplatz in Beschlag genommen. Zusammen haben sie eine selbst gemachte Standuhr aufgestellt. Die bekannte Uhr auf dem Dach war nach dem abgeschlossenen Umbau nicht mehr ersetzt worden. «Endlich kann ich wieder auf dem Arbeitsweg die Zeit vom Velo aus kurz checken», sagte ein Passant. Die SP kritisiert, dass die Stadt Bern immer häufiger öffentliche Uhren abmontiere.

Auch andere Parteien gaben sich Kreativ. Die Kandidaten der Piratenpartei zogen als Piratenzombies durch die Stadt und wollten so Stimmen entern. «Eine Zombieaktion zieht bei Jungwälern besser als ein peinliches Youtube-Video», sagt Kandidat Manfred Pürro. Und meinte damit das Wahlvideo von FDPler Bernhard Eicher (20 Minuten berichtete). Dieser war mit den Jungfreisinnigen auf dem Bahnhofsplatz auf Stimmenfang. Unter dem Motto «Damit Bern nicht einschläft» verteilten Sie Energydrinks. Sie hätten es nicht nötig Velos von Brücken zu hängen um Aufsehen zu erregen. Sie würden mit Argumenten und Lösungsvorschlägen überzeugen, sagt Thomas Berger in Anlehnung an die Velo-Demo der Jungen Alternative (20 Minuten berichtete). Auch diese zeigte sich heute auf der Strasse. Mit Koffern und Möbel gingen sie auf die Strasse und wollten auf die aktuelle Wohnungsnot aufmerksam machen.

Politologe Mark Balsiger warnt indes vor einem Overkill: «Flyer und Schöggeli zu verteilen ist abgelutscht - damit verärgert man heute sogar einige Wähler.» Einfach nur um jeden Preis aufzufallen könne nicht das Ziel sein. Roboterartig Werbematerial zu verteilen bringe jedoch auch nichts. Es brauche eine starke Idee und Politiker die es schaffen, auf authentische Art mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

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