Studie: Parteilose halten Gemeindepolitik am Leben
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StudieParteilose halten Gemeindepolitik am Leben

In den Gemeinden verlieren die Parteien an Macht: Rund die Hälfte aller 15 500 kommunalen Exekutivmitglieder gehören laut einer Studie keiner Partei an. Die Parteien müssen sich deshalb aber keine Sorgen machen.

Parteilose Gemeinderatsmitglieder lehnen die Parteien nicht grundsätzlich ab, wie es in der am Montag auszugsweise veröffentlichen Studie «Gemeindepolitik ohne Parteien?» des Soziologischen Instituts der Universität Zürich (UZH) heisst. Dieses befragte in Zusammenarbeit mit dem Institut de hautes etudes en administration publique (IDHEAP) in Lausanne sowie dem Kompetenzzentrum für Public Management (KPM) der Universität Bern erstmals alle 15 500 Exekutivmitglieder der Schweizer Gemeinden zu ihrer politischen Einstellung und Tätigkeit sowie deren sozialen Hintergrund.

Die parteilosen Exekutivmitglieder gaben laut einem Bericht der «UZH News» zur Hälfte als Grund ihrer Parteilosigkeit an, dass die ihnen zusagende Partei in der jeweiligen Gemeinde nicht existiere. 96 Prozent sind überzeugt, dass Gemeindepolitik ohne Parteien ebenso gut funktioniert wie mit. Überdurchschnittlich häufig werde aber moniert, dass die Parteien zu stark auf Konflikt statt auf die Probleme der Gemeinden ausgerichtet seien.

Politisch häufiger in der Mitte

Darauf, dass Parteilose offenbar keine Lust auf ideologische Streitereien haben, deutet laut Studie der Umstand hin, dass sie sich politisch häufiger in der Mitte einordnen als Parteigebundene. Der Nutzen der Parteien werde aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt. 70 Prozent der befragten Parteilosen könnten sich mit einer Bundesratspartei identifizieren.

Für den Zürcher Soziologen Urs Meuli widerspiegelt die hohe Zahl von Parteilosen die Krise der Lokalparteien, die in den 1980er- Jahren begann, wie «UZH News» weiter schrieb. Für den beruflichen Aufstieg sei es früher geradezu Bürgerpflicht gewesen, in der Gemeinde ein politisches Amt zu übernehmen. Heute seien die Leute mobiler, flexibler und individualistischer. Es interessiere nicht mehr eine Parteikarriere, sondern das konkrete, oft befristete Engagement für ein Anliegen wie eine Tempo-30-Zone.

Parteilose mobiler

Parteilose seien auch weniger lang in einer Gemeinde wohnhaft als Parteigebundene. Rund die Hälfte lebe weniger als 20 Jahre in einer Gemeinde, während es bei den Parteigebundenen nur 30 Prozent seien. Zudem könnten Parteilose weniger auf politische Familientraditionen zurückblicken als Parteigebundene. Hier betragen die Anteile 30 beziehungsweise 60 Prozent. Dennoch gibt es Parallelen: Wer sich als Gemeinderatsmandat zur Verfügung stellt, ist gemäss Studie in der Regel verheiratet, hat Kinder und ist somit stärker in der Gemeinde verankert.

Die jüngste Studie schliesst an die Untersuchung «Die Schweizer Lokalparteien im Wandel» von 2003 an, die ebenfalls vom Zürcher Soziologischen Institut erarbeitet wurde. Die detaillierten Ergebnisse sollen kommenden Frühling veröffentlicht werden. (dapd)

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