Parteispaltungen: Nur wenige Abtrünnige konnten sich halten
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Parteispaltungen: Nur wenige Abtrünnige konnten sich halten

Parteispaltungen, wie sie der SVP drohen, hat es in der Schweiz schon mehrere gegeben. Den Mutter-Parteien haben sie jeweils nur kurzfristig geschadet.

Von den «Sezessionisten» konnten sich nur wenige in der Parteienlandschaft etablieren.

Erfolgversprechend startete die jüngste Parteienabspaltung: 2006/2007 gründeten bürgerlich-liberale Kräfte der Grünen Partei, denen der Kurs der Grünen zu links und zu gewerkschaftsorientiert war, in Zürich und St. Gallen die Grünliberalen.

Dass sie über ein - von den anderen Parteien wenig beackertes - Wählerpotenzial links der Mitte verfügen, zeigte ihr Wahlerfolg im Herbst 2007 (drei Nationalratssitze, ein Ständeratssitz). Er ermutigte die GLP zur Gründung weiterer Sektionen.

Rechte und linke Abspaltungen bei der SP ...

Eine ähnliche Abspaltung hatte es in den Achtziger Jahren bei der SP gegeben: Prominente Mitglieder wie Félicien Morel (FR), Karl Schnyder und Hanspeter Tschudi (BS), die mit dem damaligen Linkskurs der Partei nicht einverstanden waren, gründeten die Demokratisch-Soziale Partei (DSP).

Mit dem Rückzug der Gründergeneration aus der Politik und einem gemässigteren Kurs der SP in den Neunziger Jahren begann der Abstieg der DSP. Sie ist heute nur noch in Basel Stadt von Bedeutung.

Im Tessin kam es 1969 und 1988 zu Links-Abspaltungen von der SP. Diese kehrten aber 1992 wieder in den Schoss der SP zurück.

... und bei der CVP

Auch die CVP musste mehrere Abpaltungen verschmerzen: Nachdem die Christlichsozialen Jahrzehnte lang an ihrer Seite marschiert waren, gründeten 1997 CSP-Sektionen von Freiburg, Jura, Luzern und Zürich eine unabhängige CSP Schweiz.

Sie steuert einen Kurs links von der CVP. Ihre politische «Lokomotive» ist der Freiburger Nationalrat Hugo Fasel, der in der Grünen Fraktion politisiert. Seinen Sitz konnte er 2007 halten. Auf Ende Jahr tritt der neue Caritas-Direktor von dem Mandat zurück.

Als Rechts-Abspaltung der CVP kann man die 1994 gegründete Katholische Volkspartei (KVP) sehen. Sie versucht sich als rechtskatholisch-konservatives Sammelbecken zu profilieren, aber mit wenig Erfolg.

SVP- und FDP-Abspaltungen

Bei der SVP hatte deren abtrünniger Aargauer Nationalrat Ulrich Siegrist versucht, bei den Herbstwahlen 2007 sein Mandat mit einem Forum Liberale Mitte zu halten, was aber misslang. Nun will sich das Forum als Partei organisieren. Rechte SVP-Abspaltungen in Basel und Bern blieben Eintagsfliegen.

Die FDP verlor in den frühen Achtziger Jahren linksliberale, umweltbewusste Persönlichkeiten wie Leni Robert und Rosemarie Baer (BE). Diese gründeten die Freie Liste, die heute in den Berner Grünen weiterlebt.

Abspaltungen bei den Rechten

Bei der Nationalen Aktion (heute Schweizer Demokraten) überwarfen sich die ehemaligen Parteiführer James Schwarzenbach und Valentin Oehen 1971 respektive 1986 mit ihrer Partei und gründeten eigene Bewegungen.

Während sich Oehens Ökologisch-Freiheitliche Partei als Flop erwies, konnten die Schwarzenbach-Republikaner eine zeitlang Teile des national-konservativen Lagers um sich scharen. Mit dem Rückzug Schwarzenbachs und dem Erstarken der Blocher-SVP ging die Partei Ende der Achtziger Jahre unter.

Als «Spaltprodukt» aus verschiedenen Rechtsparteien und der EVP ging 1975 die Eidgenössisch-Demokratische Union EDU hervor. Ihr gelang es, sich als Sammelbecken von freikirchlichen und evangelikalen Kreisen zu profilieren.

(sda)

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