Femizid in Hombrechtikon ZH – «Partnerin qualvoll zu Tode geprügelt» – Mann muss 16 Jahre ins Gefängnis
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Femizid in Hombrechtikon ZH «Partnerin qualvoll zu Tode geprügelt» – Mann muss 16 Jahre ins Gefängnis

Ein heute 48-jähriger Mann wurde wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt und muss anschliessend die Schweiz für 15 Jahre verlassen.

von
Stefan Hohler
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In der Anklageschrift sind die über 20 Verletzungen aufgelistet: Einblutungen an Kopf, Herz und Leber, Hämatome fast am ganzen Körper, eine Reihe von Rippenbrüchen sowie Lungenverletzungen.

In der Anklageschrift sind die über 20 Verletzungen aufgelistet: Einblutungen an Kopf, Herz und Leber, Hämatome fast am ganzen Körper, eine Reihe von Rippenbrüchen sowie Lungenverletzungen.

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Beim Opfer handelte es sich um eine 44-jährige Schweizerin.

Beim Opfer handelte es sich um eine 44-jährige Schweizerin.

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Der Beschuldigte ist ein heute 48-jähriger Pole. An jenem Abend im März 2020 hatte die Frau gesagt, dass sie die Beziehung beenden möchte, was der Freund nicht akzeptierte.

Der Beschuldigte ist ein heute 48-jähriger Pole. An jenem Abend im März 2020 hatte die Frau gesagt, dass sie die Beziehung beenden möchte, was der Freund nicht akzeptierte.

20 Minuten

Darum gehts

  • Ein Mann hat letztes Jahr in Hombrechtikon seine Freundin mit Faustschlägen und Fusstritten zu Tode geprügelt.

  • Der heute 48-Jährige wurde zu 16 Jahren verurteilt. Er hatte die Tat abgestritten.

In einer Wohnung in Hombrechtikon ZH kam es im März 2020 zu einem Femizid. Beim Opfer handelte es sich um eine 44-jährige Schweizerin mit russischen Wurzeln. An jenem Abend hatte die Frau gesagt, dass sie die Beziehung beenden möchte, was der Freund nicht akzeptierte und ausrastete.

Ein heute 48-jähriger Pole, von Beruf Automechaniker und Schweisser, musste sich im September vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Am Dienstag wurde er nun wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt und muss anschliessend die Schweiz für 15 Jahre verlassen.

Das Gericht schliesst anhand der Vielzahl der Verletzungen eine Todesursache durch einen oder mehrere Stürze aus. Laut den medizinischen Gutachten waren die Verletzungen auch nicht durch die Wiederbelebungsmassnahmen der Sanitäter zugefügt worden. «Die Verletzungen weisen auf Faust- und Fusstritte hin», sagte der Richter am Dienstag.

Der hohe Alkoholgehalt beim Opfer sei nicht verantwortlich für ihren Tod gewesen. Zudem weisen laut dem Richter die Tatzeit und Tatort auf die Täterschaft hin. «Die Verletzungen wurden ihr in ihrem Zimmer zugefügt. Im Zimmer waren nur das Opfer und der Beschuldigte, die sich zuvor noch gestritten hatten.» Zum Schluss sagte der Richter: «Das Gericht ist überzeugt, dass Sie gewalttätig wurden und der Frau die Verletzungen zufügten, an denen sie starb.»

Einblutungen an Kopf, Herz und Leber

In der Anklageschrift sind über 20 Verletzungen aufgelistet: Einblutungen an Kopf, Herz und Leber, Hämatome fast am ganzen Körper, eine Reihe von Rippenbrüchen sowie Lungenverletzungen – verursacht durch wuchtige Faustschläge und Fusstritte. Die Frau erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Sie lebte zwar noch, als die Sanitäter in die Wohnung kamen, starb aber am nächsten Nachmittag im Spital.

Der Staatsanwalt hatte den Gewaltexzess als eigentlichen «Overkill» beschrieben. Fachleute sprechen dann von einer Übertötung, so die deutsche Übersetzung, wenn deutlich mehr Gewalt angewendet wird, als zur eigentlichen Tötung nötig gewesen wäre. Dies weist auf eine grosse Wut und Aggression hin.

Der Staatsanwalt qualifizierte die Tat als Mord und verlangte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren sowie einen Landesverweis von 15 Jahren. Grund sei die verletzte Eitelkeit des Beschuldigten gewesen, welcher seine Partnerin deshalb qualvoll zu Tode prügelte.

«Ich kann mich nicht erinnern»

Am frühen Abend des 3. März 2020 hatte der Beschuldigte den Notruf alarmiert. Als die Rettungskräfte die schwer verletzte Frau in ihrem Zimmer wiederbeleben wollten, schlug der Pole weiter auf die Frau ein. «Trifft das zu?», fragte der Richter am ersten Prozesstag im September, worauf der Mann antwortete: «Ich kann mich nicht erinnern.» Als der Richter ihn fragte, ob er eine Erklärung habe, warum bei der Obduktion der Leiche unzählige Rippenbrüche und weitere Verletzungen festgestellt wurden, sagte der 48-Jährige einzig: «Ich verweigere die Aussage.»

Der Beschuldigte, Vater von zwei erwachsenen Kindern, ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist in Polen und Deutschland insgesamt viermal zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beamtenbeleidigung und Drohung. In der Schweiz hatte er einen Strafbefehl wegen einfacher Körperverletzung und Drohung erhalten.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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