SBB: Partnersuche für das Sorgenkind SBB Cargo
Aktualisiert

SBBPartnersuche für das Sorgenkind SBB Cargo

Der bisherige Alleingang der SBB Cargo soll der Vergangenheit angehören. Nach einem deutlich tieferen Verlust der Güterverkehrssparte im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode sucht die SBB einen Partner für ihr Sorgenkind.

«Der Turnaround bei Cargo greift - aber wir sind noch nicht am Ziel», sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Mittwoch vor den Medien. Angesichts der Verlustreduktion könne von einem «Notverkauf» keine Rede sein. SBB Cargo erzielte in den ersten sechs Monaten 2008 einen Verlust von 8,2 Mio. Franken (1. Halbjahr 2007: -35,5 Mio.).

Die SBB habe bisher eine Strategie des «aggressiven Alleingangs» verfolgt, sagte Meyer weiter. «Nun müssen wir aber das europäische Geschäft mit verlässlichen Partnern weiterentwickeln. Nach der Restrukturierung soll nun eine Repositionierung folgen.» Daneben würden auch Partnerschaften für das Inlandgeschäft geprüft.

Verkauf kein Thema

«Wir werden SBB Cargo auf keinen Fall verkaufen. Eine Veräusserung von Anteilen ist aber nicht ausgeschlossen», sagte Meyer weiter. Bis zu 49,9 Prozent der Anteile kann die SBB ohne Gesetzesänderung verkaufen. Eine Anpassung dieser rechtlichen Grundlagen würde rund zwei Jahre dauern, sagte Meyer weiter.

Die SBB zeigte sich in Bezug auf die Verheiratung ihres Sorgenkindes offen. Vorstellbar sei auch eine Kooperation mit Spediteuren oder Grosskunden, sagte Meyer.

Die Unternehmen seien aufgefordert worden, ihr allfälliges Interesse bis zum 22. September zu bekunden und ihr Angebot bis zum 15. Oktober zu konkretisieren. Danach werde die SBB die Partnerangebote evaluieren. Dafür seien Experten des Beratungsunternehmens McKinsey mandatiert worden.

Nachwehen des Streiks

Die SBB Cargo und das ganze Unternehmen sei durch den Streik der Mitarbeitenden des Industriewerks Bellinzona im März/April 2008 stark belastet worden. Die Kosten des Streiks beliefen sich für die SBB auf über 2,5 Mio. Franken. Gleichzeitig belasten die Arbeitsrückstände namentlich beim Güterwagenunterhalt als Folge des Streiks das ganze Unternehmen noch immer massiv, wie Meyer sagte.

Seit Ende des Streikes laufen die Verhandlungen am runden Tisch. Ziel sei es, die Produktivität des IW Bellinzona kurzfristig um jährlich mindestens 10 Mio. Franken, mittelfristig um mehr zu verbessern. Ohne diese Verbesserungen sei das Werk existenziell gefährdet, hielt die SBB am Mittwoch in einem Communiqué fest. (sda)

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