Aktualisiert

Langstrasse Zürich«Partybetrieb ist eine stadtzerstörende Sauerei»

Die Anwohner der Zürcher Langstrasse haben genug von Lärm, Abfall und Dreck des Ausgangsvolks. Sie wollen mehr Nachtruhe statt Clubs und wenden sich nun an den Stadtrat.

von
20M
Samstagabend-Rush-Hour an der Langstrasse. Inzwischen verlagert sich der Lärm auch in die Innenhöfe.

Samstagabend-Rush-Hour an der Langstrasse. Inzwischen verlagert sich der Lärm auch in die Innenhöfe.

Halli-Galli herrscht im Langstrassen-Quartier mittlerweile fast jeden Abend. Wen wunderts: Es wimmelt von Bars, Clubs und 24-Stunden-Shops. Was die Besucher von Zürichs wichtigster Ausgehmeile oft vergessen: In den Häusern wird auch gewohnt. Nun haben 115 Anwohner genug: In einem gemeinsamen Schreiben an den Stadtrat schildern sie die Zustände als «stadtzerstörende Sauerei» und fordern Massnahmen.

Denn: Das Partyvolk hat die Drogenszene und das Sexgewerbe als grösstes Problem abgelöst. «Die Langstrasse ist zum Rummelplatz verkommen – die Lebensqualität ist massiv gesunken», sagt Architekt Walter Ramseier in der NZZ. Man habe sich zwar längst daran gewöhnt, Wohnräume gegen die Strasse hin nicht mehr zum Schlafen zu brauchen – nun aber breite sich der Lärm zunehmend auch in die Innenhöfe aus.

Clubs planen Sensibilisierungs-Aktion

Ramseier räumt zwar ein, dass jeder, der ins Langstrassen-Quartier zieht, mit Partylärm rechnen muss. «Aber wer hier wohnt, soll trotzdem bleiben dürfen und nicht durch den Lärm zum Wegziehen gezwungen werden.» Die Anwohner schlagen deshalb Lärmschutzverglasungen bei Ausgehlokalen und Einschränkungen bei der Bewilligung für Clubs vor, die open-end geöffnet sind. Zudem sollen die Bars und 24-Stunden-Shops für die Abfallbeseitigung zur Kasse gebeten werden.

Bei der Bar- und Club-Kommission Zürich (BCK) nimmt man die Sorgen ernst und plant deshalb am 29. April eine Aktion gegen Lärm an der Langstrasse. Die Forderung lautet: «Nachbarn respektieren Bars und Clubs – und wir ihre Nachtruhe.» Es ist nicht die erste Aktion dieser Art. Auch am Idaplatz gab es vor fast zwei Jahren eine Aktion, weil die Anwohner nicht mehr schlafen konnten. Mehr als mahnen kann man gemäss BCK-Sprecher Robin Donat jedoch nicht: «Wer an der Langstrasse wohnt, der weiss ohnehin, dass er nicht auf den Ponyhof gezogen ist», sagt er im Interview mit der NZZ.

Mehr Polizeipräsenz geplant

Die Stadt hat laut Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements, Kenntnis vom Schreiben der Anwohner. Dieses werde voraussichtlich im Rahmen des Projekts Nachtleben behandelt. Die 24-Stunden-Gesellschaft und ihre Auswüchse beschäftigt den Stadtrat schon länger. Unter anderem wird Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) ab Mai am Wochenende mehr Polizisten patrouillieren lassen. In Zürich gab es 2013 insgesamt 646 Lokale mit einer Nachtcafé-Bewilligung. Zum Vergleich: In den 1990er Jahren waren es lediglich 88.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.