Achtung vor Alkohol und Tanznächten - Partygänger riskieren, aufgrund der Hitze zu kollabieren
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Achtung vor Alkohol und TanznächtenPartygänger riskieren, aufgrund der Hitze zu kollabieren

Hitzeschläge und psychotische Schübe: Expertinnen und Experten warnen Schweizer Touristinnen und Touristen im östlichen Mittelmeerraum vor der Rekordhitze.

von
Anja Zingg
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In vielen Mittelmeerländern herrscht eine Hitzewelle. Mit möglichen gefährlichen Folgen. (Symbolbild)

In vielen Mittelmeerländern herrscht eine Hitzewelle. Mit möglichen gefährlichen Folgen. (Symbolbild)

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Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut warnt vor dem Partyurlaub: «Am Strand Alkohol zu trinken, ist keine gute Idee.»

Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut warnt vor dem Partyurlaub: «Am Strand Alkohol zu trinken, ist keine gute Idee.»

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Alkohol entziehe dem Körper Flüssigkeit. Bei Hitze könne dies zu einem Kreislaufkollaps führen. (Symbolbild)

Alkohol entziehe dem Körper Flüssigkeit. Bei Hitze könne dies zu einem Kreislaufkollaps führen. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • In Teilen Europa herrscht fast Rekordhitze.

  • Expertinnen und Experten raten von Alkohol und Tanznächten ab.

  • Auch wer an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, solle laut Expertinnen und Experten Hitzeländer meiden.

In Italien, Griechenland, der Türkei und auf dem Balkan herrschen Temperaturen von über 40 Grad, Brände wüten. In Griechenland stieg das Thermometer auf 47 Grad. In Italien werden bis zu 50 Grad erwartet. Meteorologinnen und Meteorologen sprechen von einer «historischen Hitzewelle». Die hohen Temperaturen könnten noch einige Tage andauern. «Vorsicht! Der Hitzeschlag lauert», warnen immer wieder Ärztinnen und Ärzte im griechischen Rundfunk. Insbesondere Kleinkinder und ältere Menschen seien gefährdet.

«Eine solche Hitze habe ich noch nie erlebt», sagt Anna Michailidou, die gerade Ferien in ihrer Heimat im Norden Griechenlands macht. «Es ist so drückend heiss, dass wir im Haus bleiben. Ich dusche zwei, dreimal pro Tag.» Besuche bei Verwandten hat Michailidou für diese Woche abgesagt. Daniela Carrozzaa aus Zürich ist gerade in Catania, Sizilien. Dort zeigt das Thermometer 47 Grad. «Man wird extrem müde und langsam», sagt sie. «Wir gehen nur höchstens mal ans Meer, sonst halten wir uns in klimatisierten Räumen auf.» Marc, der in Kroatien weilt, ist dankbar für seine Klimaanlage im Hotelzimmer. «Ich bin froh, dass ich hier die Ferien geniessen darf und nicht in dieser Hitze arbeiten muss

Worauf Schweizer Touristinnen und Touristen achten sollen

Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut warnt vor dem Partyurlaub: «Am Strand Alkohol zu trinken, ist keine gute Idee.» Alkohol entziehe dem Körper Flüssigkeit. Durch das Schwitzen und den Kühlversuch sei der Körper bereits stark gefordert. Alkoholkonsum bedeute noch mehr Stress. Auch der Kater am nächsten Tag sei schädlich für den Körper. «Die Erholungsfähigkeit wird reduziert. Es fehlt dem Körper an Energie.» Die Folge: Übelkeit, Hitzschlag oder gar Kreislaufkollaps, Weiter warnt Röösli vor dem Tanzen: «Auf extreme körperliche Anstrengungen soll verzichtet werden.»

Generell empfiehlt Röösli, dass sich Reisende wann immer möglich im Schatten aufhalten, auf körperliche Aktivitäten verzichten und viel trinken. «Der Körper verliert durch das Schwitzen Salz, welches ihm wieder zugeführt werden muss.» Geeignet dafür sind leichte Mahlzeiten, Früchte oder Salate.

Wer sich überanstrengt, riskiert zu kollabieren. «Schwindel, Übelkeit oder Krämpfe sind Anzeichen, dass etwas nicht gut ist.» Laut Röösli sollte in diesem Fall eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

«Psychisch Erkrankte sind extrem hitzeempfindlich»

Thomas Müller, ärztlicher Direktor der Berner Privatklinik Meiringen, rät allen Personen, die eine schwere psychische Erkrankung haben, davon ab, jetzt in ein Hitzeland zu reisen. «Wer zum Beispiel an einer Schizophrenie leidet, könnte durch die Hitze eine weitere Episode erleiden.» Auch dementen oder schwer depressiven Personen legt Müller ans Herz, zu Hause zu bleiben. «Die Datenlagen zeigt immer deutlicher, dass Ausbrüche oder Schübe mit dem heissen Wetter zusammenhängen.»

In Zukunft Ferien in Norwegen statt in Italien?

Sonia Seneviratne ist Professorin an der ETH Zürich und forscht seit Jahren zum Thema Klima. Sie bestätigt, dass Hitzewellen häufiger und intensiver werden. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Klimawandel zu der aktuellen Hitzewelle in Südeuropa beigetragen hat.» Generell werde eine Zunahme von Hitzewellen in der Mittelmeerregion festgestellt. «Aber auch in Mitteleuropa, inklusive der Schweiz.»

Doch wo werden Ferien gemacht, wenn es am Mittelmeer regelmässig zu solchen Hitzewellen kommt? Badeferien in Norwegen seien tatsächlich ein mögliches Szenario. Seneviratne sagt, dass gemessene Temperaturen überall auf der Welt zunehmen. Dieses Jahr bleibt die Hitze in der Schweiz aber voraussichtlich aus. «Die Böden sind momentan sehr nass, das dämpft Hitzewellen.» Aber es sei sehr wahrscheinlich, dass es in den kommenden Sommern Hitzewellen geben werde. «Das war auch 2015, 2018 und 2019 der Fall.»

Bis jetzt keine Stornierungen

Die Reiseveranstalter behalten die Situation im Auge, wie sowohl Hotelplan als auch Kuoni auf Anfrage mitteilen. «Nach dem aktuellen Stand sind keine unserer Hotels von Evakuierungen betroffen», sagt Kuoni-Mediensprecher Markus Flick. Stornierungen wegen der intensiven Hitze habe es keine gegeben.

Auch Bianca Gähweiler vom Hotelplan hat keine Kenntnisse von Kundinnen und Kunden, die wegen der Hitze nicht reisen möchten. «Einige Personen waren wegen der Brände besorgt, doch für unsere für Kundinnen und Kunden besteht momentan keine Gefahr. »

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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