Ausgangssperre in Thailand: «Partys starten jetzt am frühen Nachmittag»
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Ausgangssperre in Thailand«Partys starten jetzt am frühen Nachmittag»

Trotz anhaltender Ausgangssperre harren etliche Schweizer in Thailand aus. Allmählich gewöhnen sich die Leute daran – und gehen offenbar einfach schon tagsüber aus.

von
Vroni Fehlmann

Die Lage in Thailand bleibt angespannt. Seit einer Woche gilt nachts eine Ausgangssperre. Deren Beginn wurde mittlerweile von 22 Uhr auf 24 Uhr verschoben, sie dauert bis 4 Uhr morgens. Für die Partymeilen in Bangkok, Pattaya und anderen Orten ist das schlecht fürs Geschäft. Mit kleinen Tricks versuchen die Betreiber deshalb, die Sperre zu umgehen.

«Ich weiss, dass die Ausgangssperre zum Beispiel in der Walking Street in Pattaya, wo unzählige Bars sind, von der Polizei durchgesetzt wird. In den Nebenstrassen hingegen dämpfen die Bars einfach das Licht etwas, damit die Gäste noch lange sitzen bleiben können», schreibt ein Schweizer, der sich in Pattaya befindet. Die Angestellten der 24-Stunden-Shops blieben in den abgedunkelten Läden, bis sie wieder aufmachen dürften. Ansonsten sei von Kontrollen kaum etwas zu spüren. «Im Ausbildungszentrum der Navy sieht man Rekruten Rasen mähen oder Pause machen.»

Ein anderer Schweizer, der sich ebenfalls in Pattaya befindet, hat bemerkt, dass sich die Leute bereits an die Sperre zu gewöhnen scheinen: «Anstatt um 19 oder 20 Uhr beginnt das Nachtleben jetzt schon um 14 oder 15 Uhr. Das ist eine ganz neue Erfahrung, die Frauen mal bei Tageslicht zu begutachten.» Der Mann betont, dass sich kaum mehr jemand an die Sperre halte: «Kontrolliert worden ist keine Bar, die von einem Schweizer betrieben wird. Einige lassen auch die Rollos runter und feiern in der geschlossenen Bar.» Der Schweizer will ausserdem vernommen haben, dass die Sperre demnächst aufgehoben werde.

Für Touristen «keine Gefahr»

Anders sieht die Lage in Bangkok aus. Dort hielten sich die Leute strikt an die Sperre, sagt Reiseleiter Raphael Wiser. «Bangkok ist eine riesige Metropole und trotzdem ab 24 Uhr ganz ruhig und die Strassen sind leer.» Dafür würden die meisten zuvor gesperrten TV-Programme wieder laufen, auch wenn sie durch wichtige Meldungen unterbrochen werden. «Die Gefahr der momentanen Situation ist halt, dass nur ein Mann bestimmt, was im Land genau passiert, und das verunsichert.» Er meint damit den neuen Machthaber, General Prayuth Chan-ocha. Deshalb sei es umso wichtiger, dass der König eine Stellungnahme veröffentlicht habe, in der er sich hinter das Militär stellt.

Verschiedene Medien haben kürzlich berichtet, dass Touristen ihre Reisen nach Thailand stornieren. Aufgrund seiner geschäftlichen Tätigkeit als Reiseleiter weiss Wiser hingegen, dass die Flüge nach Thailand in den nächsten Wochen nach wie vor sehr gut gebucht sind. «Ich würde niemanden davon abraten, nach Thailand zu reisen. Die Situation ist politisch angespannt, aber nicht auf der Strasse oder gegenüber den Touristen.»

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