Pasolini-Film nicht in Kirche gezeigt – dennoch Mahnwache
Aktualisiert

Pasolini-Film nicht in Kirche gezeigt – dennoch Mahnwache

Mahnwache gegen Pasolinis Skandalfilm: Betroffene Zürcher demonstrierten gestern «gegen den Missbrauch von Kirchen». Gegen das Kino Xenix ist Strafanzeige eingereicht worden.

Den Passanten beim Stauffacher bot sich gestern ein Schauspiel seltsamer Art. Vor der Kirche St. Jakob postierten sich zwei Securitas-Männer. Rund 30 Demonstranten sangen und beteten mit gefalteten Broschüren statt Bibeln in den Händen und verkündeten ihre Botschaft: «Wir wollen dem Missbrauch unserer Kirche den Riegel schieben.»

Für Zündstoff sorgte Pier Paolo Pasolinis Skandalfilm «Salò oder die 120 Tage von Sodom», den das Kino Xenix in der Kirche St. Jakob zeigen wollte. Pfarrer Anselm Burr hatte seinen Segen dazu gegeben. Für den SVP-Politiker, Historiker und Buchautor Daniel Regli, der die gestrige Mahnwache organisierte, völlig unverständlich: «Eine Orgie von Sex, Gewalt, Erniedrigung und Kindermord gehört nicht in eine Kirche.» Sollte sich Burr nicht besinnen, empfehle er ihm, den Beruf zu wechseln.

Gezeigt wurde «Salò» gestern nicht, dafür fand um 17.15 Uhr eine Podiumsdiskussion statt. Die Veranstalter hielten sich damit an das erlassene Verbot der Stadtpolizei, die befand, der Film sei zu brutal. «Salò» in der Kirche hat nicht nur Zürcher Christen erzürnt. «Gegen die Verantwortlichen des Xenix ist am Samstag aus dem benachbarten Ausland Strafanzeige eingereicht worden», bestätigte Stapo-Sprecher Marco Cortesi.

Alexandra Roder

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