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Absturz von Flug 2933«Passagiere standen in Panik auf und schrien»

Zwei der Überlebenden des Flugzeugunglücks in Kolumbien waren nur leicht verletzt. Sie berichten, was sich in den letzten Sekunden in der Maschine ereignete.

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Beim Absturz von Flug CP 2933 nahe der Stadt Medellín in Kolumbien kamen 71 Menschen ums Leben. Sechs Personen überlebten - darunter die beiden bolivianischen Besatzungsmitgliedern Ximena Suárez (r.) und Erwin Tumirí.

Beim Absturz von Flug CP 2933 nahe der Stadt Medellín in Kolumbien kamen 71 Menschen ums Leben. Sechs Personen überlebten - darunter die beiden bolivianischen Besatzungsmitgliedern Ximena Suárez (r.) und Erwin Tumirí.

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Suarez erinnert sich nur vage an die Geschehnisse an Bord.

Suarez erinnert sich nur vage an die Geschehnisse an Bord.

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«Sie sagte nur, dass in der letzten Flugminute die Lichter im Flieger immer wieder an- und ausgingen», erklärte der Gouverneur von Antioquia, Luis Perez.

«Sie sagte nur, dass in der letzten Flugminute die Lichter im Flieger immer wieder an- und ausgingen», erklärte der Gouverneur von Antioquia, Luis Perez.

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Der Flug CP 2933 der bolivianischen Charterfluggesellschaft LaMia setzte am Montagabend einen Notruf ab, kurz danach stürzte die Kurzstreckenmaschine mit der brasilianischen Erstliga-Fussballmannschaft Chapecoense an Bord nahe Medellín in Kolumbien ab. Sechs Personen wurden rund zwei Stunden später lebend aus dem Wrack gerettet.

Unter den Überlebenden befinden sich die zwei bolivianischen Besatzungsmitglieder Ximena Suárez (28) und Erwin Tumirí. Beide sassen zum Zeitpunkt des Absturzes im hinteren Teil des Fliegers. Sie erlitten nur leichte Verletzungen und werden derzeit in der kolumbianischen Klinik Somer behandelt.

Crew-Mitglied hielt sich genau an die Richtlinien

Im Spital berichtete Suárez den Behörden, dass sie sich nur vage an die Geschehnisse an Bord erinnere. «Was sie sagte, ist nur, dass in der letzten Flugminute die Lichter im Flieger immer wieder an- und ausgingen», erklärte der Gouverneur von Antioquia, Luis Perez, dem Portal «Infobae». Etwa 40 bis 50 Sekunden danach habe die Stewardess gespürt, wie die Maschine «komplett ausschaltete und stark sank», bevor sie auf einem Hügel aufprallte.

Auch Erwin Tumirí berichtet von den letzten Augenblicken vor dem Crash. «Ich habe überlebt, weil ich mich ganz genau an die Flugsicherheits-Richtlinien hielt», sagt er. Als die Passagiere merkten, dass etwas mit der Maschine nicht stimmte, seien viele in Panik aufgestanden und hätten geschrien, so Tumirí zu «El Colombiano». «Ich aber nahm ein Gepäckstück und klemmte es zwischen meine Beine und beugte mich mit dem Kopf über die Knie.»

Treibstoffmangel als Unglücksursache?

Der Chef der kolumbianischen Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra, sagte, erste Berichte legten nahe, dass das Flugzeug elektrische Probleme gehabt habe. Der Ermittler geht jedoch auch der Schilderung eines Zeugen nach, wonach dem Flugzeug rund fünf Minuten vor seiner erwarteten Landung am José-María-Cordova-Flughafen ausserhalb Medellíns der Treibstoff ausgegangen sein soll.

Dem Nachrichtensender RCN erzählte der Co-Pilot von Avianca-Flug 9356, dass er das Gespräch zwischen dem Kapitän des verunglückten Fliegers und einer Kontrolleurin im Flughafen von Rionegro bei Medellín mitverfolgte. «Bevor er den Notstand ausrief, meldete der Pilot, dass er Treibstoff-Probleme habe», berichtet Pilot Juan Sebastián Upegui.

«Dann begannen sie einen rasanten Landeanflug. Die Kontrolleurin bat uns, von der Fluglinie abzuweichen und wir sahen die Maschine vorbeirasen.» In dem Moment habe der Unglückspilot den Notruf abgesetzt. «Er rief ‹Mayday Mayday› und die Kontrolleurin fragte, was das Problem sei. Er sagte, dass die Elektronik komplett ausgestiegen sei. Der Pilot forderte verzweifelt Erlaubnis zum Landen.»

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Die Staatsanwaltschaft in Kolumbien führt bei der Fluggesellschaft LaMia eine Razzia durch. (6. Dezember 2016)

Die Staatsanwaltschaft in Kolumbien führt bei der Fluggesellschaft LaMia eine Razzia durch. (6. Dezember 2016)

Keystone
Zusammen mit dem Chef von LaMia werden auch zwei Angestellte festgenommen. (6. Dezember 2016)

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Keystone
Die Särge mit den getöteten Spielern, Trainern und Betreuern wurden einzeln aus den Flugzeugen getragen und von jeweils sechs Soldaten über das Rollfeld geschoben. (3. Dezember 2016)

Die Särge mit den getöteten Spielern, Trainern und Betreuern wurden einzeln aus den Flugzeugen getragen und von jeweils sechs Soldaten über das Rollfeld geschoben. (3. Dezember 2016)

AFP/Nelson Almeida

Zu diesem Zeitpunkt war der Flieger bereits vom Radar verschwunden. «‹Ich sehe sie nicht›, schrie die Frau zum Piloten», so Upeguis Schilderung. «‹Hilfe, bitte geben Sie die Vektoren für die Landebahn bekannt›, wiederholte der Pilot immer wieder.» Im Cockpit des Avianca-Fluges habe absolute Stille geherrscht. Die Kontrolleurin habe dem LaMia-Pilot noch durchgeben können, dass er sich auf 9000 Fuss befand, acht Meilen vom Flughafen entfernt. Der Pilot habe mehrmals um Hilfe geschrien, dann sei es plötzlich still geworden.

Die am Dienstag gefundenen Flugschreiber sollen nun Aufklärung über die Unglücksursache geben. Sowohl der Daten- als auch der Stimmrekorder seien in ausgezeichnetem Zustand, wie die kolumbianische Luftverkehrsbehörde mitteilte.

So schildert der Avianca-Pilot, wie er das letzte Gespräch aus der Unglücksmaschine mitverfolgte:

(Quelle: Youtube/Tomas Romas)

Fussballspieler gerettet

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