Anzeige droht: Passagierin blockiert Zug, um auf Freundin zu warten
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Anzeige drohtPassagierin blockiert Zug, um auf Freundin zu warten

Weil ihre Bekannte Verspätung hatte, hinderte eine Zugreisende einen Intercity an der Abfahrt. Das sorgte für böses Blut und hat möglicherweise eine Anzeige zur Folge.

von
cho
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Weil eine Passagierin die Türe absichtlich blockierte, fuhr der 11.34-Intercity von Bern nach Thun, Spiez, Interlaken am Samstag mit 10 Minuten Verspätung ab.

Weil eine Passagierin die Türe absichtlich blockierte, fuhr der 11.34-Intercity von Bern nach Thun, Spiez, Interlaken am Samstag mit 10 Minuten Verspätung ab.

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Wenn ein Zug nicht pünktlich abfahren könne, habe das Auswirkungen auf den ganzen Betrieb, sagt die SBB.

Wenn ein Zug nicht pünktlich abfahren könne, habe das Auswirkungen auf den ganzen Betrieb, sagt die SBB.

Keystone/Peter Klaunzer
Der Frau droht nun im schlimmsten Fall eine Anzeige.

Der Frau droht nun im schlimmsten Fall eine Anzeige.

Keystone/Alessandro Della Valle

Der 11.34-Intercity von Bern nach Thun fuhr am Samstag mit zehn Minuten Verspätung ab. Grund war jedoch nicht etwa eine Störung, sondern eine Passagierin, die den Zug an der Abfahrt hinderte, wie Leser-Reporter C.B.* berichtet: «Als das Pfeifsignal erklang und sich die Türen schlossen, stand sie im Türrahmen und blockierte diese.» Der Lokführer habe via Lautsprecher gefordert: «Bitte Türen freigeben», doch die Frau mittleren Alters reagierte nicht, so C.B.

Lokführer und Zugbegleiter schreiten ein

Schliesslich habe der Lokführer sein Cockpit verlassen und sei persönlich an die Frau getreten und habe sie gebeten, die Türe freizugeben. «Aber die Frau hörte nicht auf ihn – auch nicht, als er lauter wurde.» Schliesslich sei der Lokführer zurück ins Cockpit gerannt.

Wie sich herausstellte, hielt die Frau den Zug für eine Bekannte auf, die verspätet war. «Diese schaffte es schliesslich auf den Zug und die beiden Frauen setzten sich ins Abteil», so der Leser. Mehrere Minuten habe sie die Abfahrt des Zuges verhindert. Schliesslich sei auch der Zugbegleiter an die Frau getreten: «Er nahm ihre Personalien auf und warnte sie, dass eine hohe Busse auf sie zukäme.» Im Zug sei die Stimmung entsprechend gehässig gewesen.

«Nicht akzeptabel»

Die SBB bestätigt den Vorfall gegenüber 20 Minuten: «Dass eine Person einen ganzen Zug blockiert, ist nicht akzeptabel und auch für uns sehr ärgerlich», sagt Oli Dischoe, Mediensprecher bei der SBB. Wenn ein Zug nicht pünktlich abfahren könne, habe das Auswirkungen auf den ganzen Betrieb. «Der Lokführer muss dann warten, bis wieder ein Trassee frei wird, bevor er losfahren kann.» Darum hätten die Passagiere am Samstag auch dann noch nicht abfahren können, als die Türen endlich geschlossen waren.

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Busse und Anzeige droht

Wenn Passagiere vorsätzlich einen Zug blockieren, verstossen sie damit gegen das Personenbeförderungsgesetz. Hierbei handle es sich jedoch um ein Antragsdelikt, so Dischoe: «Das Zugpersonal muss dies entsprechend melden, dann werden gegebenenfalls strafrechtliche Konsequenzen in die Wege geleitet.» So sei eine Anzeige bei den Behörden möglich.

Ob die Frau in diesem Fall ebenfalls mit einer Anzeige rechnen muss, sei noch unklar, so Dischoe: «Das ist noch nicht entschieden.» Wie hoch eine allfällige Busse für die Betroffene ausfallen könnte, kann die SBB nicht sagen. Dies hänge von der Einschätzung der zuständigen Behörde ab. Dischoe «Zum Glück gibt es nur sehr selten Fälle, in denen Passagiere einen Zug minutenlang an der Abfahrt hindern.»

* Name der Redaktion bekannt

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