Zürich: Passant als Unfallverursacher entlastet
Aktualisiert

ZürichPassant als Unfallverursacher entlastet

Laut Anklage hat ein Fussgänger mitten in Zürich ein Rotlicht missachtet und damit einen Motorradlenker zu Fall gebracht. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

von
Attila Szenogrady

Am Mittwoch befasste sich das Bezirksgericht Zürich mit einem äusserst seltenen Fall. So musste sich für einmal ein Fussgänger als Verkehrssünder vor den Schranken verantworten. Wegen fahrlässiger Körperverletzung drohte dem heute 25-jährigen Mechaniker eine happige Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 100 Franken. Aufgrund einer Vorstrafe sollte der Italiener die insgesamt 6000 Franken sogar bezahlen.

Wer hat Rotlicht übersehen?

Die Anklage ging auf den 3. Juli 2010 zurück. Damals hielt sich der Beschuldigte am Zürcher Bahnhofquai auf und wollte einen Zebrastreifen überqueren. Laut Anklage übersah er jedoch die auf rot stehende Ampel. Mit massiven Folgen. So prallte der Passant mit einem Motorradfahrer zusammen. Der Lenker stürzte und zog sich einen Bruch des Sprunggelenks sowie diverse Prellungen. Doch auch der Passant hatte erhebliche Verletzungen an der Schulter und im Kopfbereich erlitten.

Die von der Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen entpuppten sich als schwierig. So behaupteten sowohl der Passant, als auch der Roller-Fahrer, dass sie vor der Kollision grünes Licht hatten.

Von attraktiven Frauen abgelenkt?

Die Untersuchungsbehörden entschieden sich gegen den Fussgänger. Auch wegen eines Augenzeugen, der kurz nach dem Aufprall beobachtet hatte, dass die Ampel auf der Bahn des Motorrad-Lenkers grün angezeigt hatte.

Eine Version, welche die Verteidigung des Passanten vor Gericht in Abrede stellte. Da der Zeuge erst nach dem Unfall auf die Szenerie aufmerksam geworden sei, wäre es möglich, dass die Ampel bereits wieder umgestellt habe, machte der Rechtsanwalt geltend. Dann dreht er den Spiess um und führte aus, dass an jenem schönen Sommernachmittag nicht nur das Züri-Fäscht, sondern auch das Caliente-Festival stattgefunden habe. Mit der Folge, dass viele attraktive und leicht bekleidete Frauen unterwegs gewesen seien. Diese hätten wohl auch den Geschädigten auf seinem Motorrad abgelenkt.

Aussage gegen Aussage: Freispruch

Das Gericht stellte zum Schluss Aussage gegen Aussage fest und kam nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten zu einem Freispruch. Die Richterin stufte die Aussagen des Zeugen als nicht stichhaltig ein. Auch die Darstellungen des Geschädigten seien zum Teil widersprüchlich ausgefallen. Einerseits habe er ausgesagt, dass er sofort abgebremst habe. Andererseits habe er sich an nichts mehr erinnert, fasste die Richterin zusammen.

Trotz des Freispruchs hat der Roller-Fahrer nichts mehr zu befürchten. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren schon seit mehreren Monaten eingestellt.

Deine Meinung