Luzern: Passant dreht durch und schlägt Bus-Scheibe ein
Aktualisiert

LuzernPassant dreht durch und schlägt Bus-Scheibe ein

Ein Fussgänger fühlte sich durch einen Bus der VBL behindert - da tickte er aus und zertrümmerte die Scheibe der Führerkabine. Er machte die Rechnung ohne den Chauffeur.

von
Martin Messmer

Es geschah in der Rushhour: Am Mittwoch um 17.37 Uhr fuhr ein VBL-Bus der Linie 20 über den Pilatusplatz. Da überquerte ein Mann bei Rot den Fussgängerstreifen - und fühlte sich offenbar vom Bus belästigt. «Plötzlich schlug mir der Fussgänger die linke Seitenscheibe ein. Die Begründung war, VBL-Busse hätten ihm den Weg versperrt», so der Chauffeur. Das liess er sich aber nicht bieten: «Ich habe den Täter selber gestellt.» Zuerst betätigte er noch den Notfallknopf, der auf der VBL-Betriebszentrale Alarm auslöst.

Chauffeur durch Attacke verletzt

VBL-Sprecher Christian Bertschi bestätigte den Sachverhalt. Durch die Glassplitter bei der Attacke, die mit voller Wucht und per Hand verübt wurde, sei der Chauffeur leicht verletzt worden. Er musste sich in der Permanence behandeln lassen.

Attacke könnte für Verursacher teuer werden

Zeugen hätten gesehen, dass der rabiate Fussgänger die Strasse bei Rot überquerte. Der Bus habe die Strasse bei Grün überquert. Die Polizei konnte gestern laut VBL die Personalien des Mannes aufnehmen. Die VBL wird eine Strafanzeige einreichen. Der Bus muss repariert werden und kann vorderhand nicht im Linienverkehr eingesetzt werden. Mit der Strafanzeige will die VBL erreichen, dass die Kosten dem Verursacher übertragen werden können. Gemäss Angaben der VBL werde der reine Sachschaden wohl einige tausend Franken betragen; geprüft werde allerdings auch, dass der Ausfall des demolierten Busses sowie die Kosten für das zusätzliche Fahrzeug samt Chauffeur für den Ersatzkurs am Mittwochabend in Rechnung gestellt wird. «Und das könnte dann schnell in einen fünfstelligen Bereich gehen», teilte die VBL mit.

Chauffeure werden auf Gewaltattacken vorbereitet

Laut Bertschi sind solch krasse Attacken ein Ausnahmefall: «Auch tätliche Übergriffe auf Chauffeure sind sehr selten.» Dennoch müssen die Chauffeure vieles erdulden, vor allem «verbale Angriffe», wie Bertschi sagt. «Vielfach muss sich der Chauffeur Vorwürfe anhören, wegen Dingen, die er selbst nicht beeinflussen kann, zum Beispiel wegen Stausituationen oder Verspätungen.»

Um die Chauffeure auf solche Situationen vorzubereiten, betreibt die VBL ein eigenes Fachzentrum für die Aus- und Weiterbildung von Chauffeuren. «In diesen Kursen werden unsere Mitarbeitenden speziell geschult, wie sie mit aussergewöhnlichen Situationen umgehen können», sagt Bertschi. Dabei lernen die Fahrer, wie sie auf Drohungen oder renitente Fahrgäste reagieren sollen und was zu tun ist, wenn sie selber tätlich angegriffen werden oder sich im Bus ein Gewaltverbrechen ereignet. Im Rahmen der eidgenössischen Chauffeurzulassungsverordnung müssen die Fahrer regelmässig Weiterbildungen besuchen, um die Lizenz zu behalten.

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