Ins BE : Passanten rätseln über mysteriöse Mini-Zelte auf Maisacker 
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Ins BE Passanten rätseln über mysteriöse Mini-Zelte auf Maisacker 

Auf einem Feld zwischen Ins und Gampelen sind derzeit Dutzende kleine Zelte aufgestellt. Was steckt dahinter? 

von
Simon Ulrich
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Arterhebung oder Igelunterkunft? Auf Facebook wird munter über den Zweck der Mini-Zelte gerätselt – und gewitzelt.

Arterhebung oder Igelunterkunft? Auf Facebook wird munter über den Zweck der Mini-Zelte gerätselt – und gewitzelt.

Facebook / Annerös Löffel
Die Auflösung: Es handelt sich um ein Projekt der Berner Fachhochschule (BFH), bei dem der Einfluss der Folgekulturen von Zuckerrüben auf die Entwicklung einer Zikade untersucht wird.

Die Auflösung: Es handelt sich um ein Projekt der Berner Fachhochschule (BFH), bei dem der Einfluss der Folgekulturen von Zuckerrüben auf die Entwicklung einer Zikade untersucht wird.

Alan Storelli 
Konkret geht es um die Schilf-Glasflügelzikade, die Überträgerin der bakteriellen Krankheit Syndrome Basses Richesses (SBR) ist.

Konkret geht es um die Schilf-Glasflügelzikade, die Überträgerin der bakteriellen Krankheit Syndrome Basses Richesses (SBR) ist.

Alan Storelli 

Darum gehts

Auf Facebook wird derzeit über die Mini-Zelte gerätselt, die sich zu Dutzenden auf einem Maisacker zwischen Ins und Gampelen finden. Eine Userin tippt auf Insektenfallen für Arterhebungen, eine andere vermutet, die Zelte könnten etwas mit Mäusen zu tun haben. Wiederum andere Seeländer witzeln, es handle sich um Unterkünfte für Igel oder gar für geschasste Ehepartner.

Tatsächlich sind die Mini-Zelte Teil eines Projekts der Berner Fachhochschule (BFH), bei dem der Einfluss der Folgekulturen von Zuckerrüben auf die Entwicklung der Schilf-Glasflügelzikade untersucht wird. Diese Insekten sind Überträger der bakteriellen Krankheit Syndrome Basses Richesses (SBR), die zu einem starken Rückgang des Zuckergehalts in den Rüben führt.

Die Zikaden fliegen im Frühsommer in die Zuckerrübenfelder ein, infizieren die Kulturen mit dem Bakterium und legen ihre Eier im Boden ab. «Nachdem die Nachkommen die Rüben besiedelt haben, überwintern sie im Boden und fliegen im Frühjahr aus, um neue Rübenfelder einzunehmen», erklärt Projektleiter Alan Storelli.

Zeltfallen dienen Sammlung von Insekten

Die Studie soll in Erfahrung bringen, welche Nachkulturen bei der Bekämpfung der Zikade besonders wirksam sind. Was Storelli und sein Team durch die letztjährigen Ergebnisse bereits wissen: Wenn der Boden im Winter ohne Kulturen bleibt, das Feld also brach liegt, wird die Entwicklung der Zikade gebrochen. «Die Zikadenpopulation konnte so um mehr als 97 Prozent reduziert werden», so Storelli. Denn: Bleibt der Boden unbedeckt, wird den Zikaden die Nahrung entzogen und damit die Zahl ausfliegender Insekten massiv gesenkt.

Beim Versuch in Ins wird nun getestet, ob es möglich ist, bestimmte Kulturen im Winter anzubauen und gleichzeitig die Entwicklung des Insekts zu stoppen. Hierfür wurden nach der Rübenernte im Oktober 2021 verschiedene Zwischenfrüchte gesät, die lediglich der Bodenbedeckung dienten. Anschliessend wurde im April 2022 Mais gesät. «In den Zelten werden alle Insekten gesammelt, die aus dem Boden kommen. So können wir in diesen Fallen die Anwesenheit der Zikaden beobachten», erklärt der Agronom. 

Diese Bekämpfungsmassnahme habe den Vorteil, dass kein Insektizideinsatz erforderlich sei und nachhaltiger Schweizer Zucker produziert werden könne, sagt Storelli. Die ersten Ergebnisse des Versuchs werden bis Juli 2022 erwartet. 

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