Biometrischer Pass: Passbüros am Limit – Kunden beunruhigt

Aktualisiert

Biometrischer PassPassbüros am Limit – Kunden beunruhigt

Seit Mittwoch kann in der Schweiz der neue biometrische Pass beantragt werden. Der Ansturm ist riesig, das System brach teilweise zusammen. Die Passbüros sprechen von einem «Anfragen-Tsunami».

von
Amir Mustedanagic
Ist man erstmal soweit, geht es schnell mit dem neuen biometrischen Pass.

Ist man erstmal soweit, geht es schnell mit dem neuen biometrischen Pass.

Thomas Herz* sitzt auf gepackten Koffern und bangt. Seine seit langem geplante Karibikreise droht ins Wasser zu fallen. Der Zürcher hat keinen Pass. Wie viele andere hat auch er auf den neuen biometrischen Pass gehofft, um die Reisemodalitäten zu vereinfachen. Doch nun zittert er um seinen Urlaub.

«Ich habe mir alles ausgerechnet, es hätte ohne Stress alles gereicht», so Herz. Am 12. März wollte er mit dem Flieger Richtung USA abheben, von da aus soll es weitergehen in die Karibik. Seit Mittwoch kann der Pass 10 schweizweit beantragt werden. Per Internet oder Telefon kann man sich im Passbüro einen Termin geben lassen, wo die biometrischen Daten aufgenommen werden (siehe Diashow). Zehn Tage später hat man den Pass in der Hand – zumindest im Prinzip.

«Kaum hat man aufgelegt, klingelt es bereits wieder»

«Seit Mittwoch versuche ich ununterbrochen durchzukommen – aber es kommt immer nur das Band», so Herz. Zudem habe er «bestimmt 10 Anfragen per Internet gestellt». Ähnlich erging es Leser-Reporter Christoph Fink aus Wynigen. Er hat am Mittwoch einen halben Tag dafür aufgewendet, einen Termin zu erhalten. «Erst als ich über eine halbe Stunde in der Leitung wartete, habe ich einen Sachbearbeiter erreicht», klagt Fink. Kein Wunder: In den Schweizer Passbüros klingelt das Telefon seit Mittwoch ununterbrochen.

«Kaum hat man aufgelegt, klingelt es bereits wieder», sagt Ralph Felber, Leiter des Passbüros Thurgau. Mit einem Ansturm habe man gerechnet, aber nicht mit einem solchen: Die gesamte kommende Woche ist bereits ausgebucht. «Wir haben 200 Termine innerhalb von nur einem Tag vereinbart», so Felber. Nicht viel anders sieht es in den übrigen Kantonen aus: «Viele, viele, viele Anfragen», heisst es zum Beispiel in Basel.

Ansturm überlastete System

Gemäss dem federführenden Bundesamt für Polizei (Fedpol) haben «mehr Leute als erwartet» den neuen Pass beantragt. Das habe in vielen Kantonen zu Wartezeiten für Kunden sowie teilweise zur Überlastung der Systeme geführt. Alleine in Zürich gingen am ersten Tag 37 000 Anrufe ein. «Um diesen Andrang zu bewältigen, bräuchten wir 2500 Mitarbeiter», sagt der Chef des Zürcher Passbüros, Peter Klossner. «Es ist ein wahrer Tsunami über uns hereingebrochen.» Am ersten Tag habe deshalb kaum jemand einen Sachbearbeiter erreicht, der nicht «viel, viel Geduld» bewiesen habe.

Der Hype um den neuen Pass hat aber bereits abgenommen. Während in Zürich am Mittwoch zwischen 11 Uhr und 11.15 Uhr noch 4300 Leute einen Termin zu erhalten versuchten, seien es am Donnerstag noch knapp 118 gewesen, sagt Klossner. «Immer noch viel zu viele, aber es zeigt, dass es langsam zurückgeht.» Wie Klossner hofft auch Ralph Felber, dass in den kommenden Tagen vor allem diejenigen sich um einen Pass bemühen, die dringend einen benötigen. «Wer erst im April, Juni oder Juli verreist, der sollte sich etwas gedulden», so Klossner.

Für Thomas Herz gibt es einstweilen keinen Grund, seine Ferien zu stornieren. «Der Ansturm war riesig, aber in Zürich gibt es immer noch Termine für die kommenden beiden Wochen», sagt Klossner. Sobald man den Termin habe, laufe es zackig. Der Bund benötigt offiziell zehn Tage für die Erstellung des Passes, und wie das Fedpol gegenüber 20 Minuten Online mitteilt, «zeichnet sich eine Verzögerung nicht ab».

* Namen von der Redaktion geändert

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