Analyse: Patient HCD auf dem Weg der Besserung
Aktualisiert

AnalysePatient HCD auf dem Weg der Besserung

Der HC Davos ist am Spengler-Cup im Halbfinal ausgeschieden, hat sich aber gut verkauft. Beim tief gefallenen Rekordmeister besteht wieder Hoffnung. Gar noch auf das Playoff?

von
Marcel Allemann
Davos
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Harijs Witolinsch setzt in Davos neue Impulse: Der am 20. Dezember als Nachfolger von Arno Del Curto engagierte Coach unterhält sich am Spengler-Cup mit Thierry Bader.

Harijs Witolinsch setzt in Davos neue Impulse: Der am 20. Dezember als Nachfolger von Arno Del Curto engagierte Coach unterhält sich am Spengler-Cup mit Thierry Bader.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Bündner schieden unter dem Letten am traditionellen Turnier zwar im Halbfinal aus, zeigten aber ansprechende Auftritte.

Die Bündner schieden unter dem Letten am traditionellen Turnier zwar im Halbfinal aus, zeigten aber ansprechende Auftritte.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Gegen die Ice Tigers Nürnberg setzte sich der Schweizer Rekordmeister 3:2 durch. Hier bejubelt Dario Simion seinen Treffer zum 2:0.

Gegen die Ice Tigers Nürnberg setzte sich der Schweizer Rekordmeister 3:2 durch. Hier bejubelt Dario Simion seinen Treffer zum 2:0.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Aufgrund der aktuellen Tabellenlage in der Meisterschaft musste vor dem Turnier ein Desaster befürchtet und mit dem frühestmöglichen Ausscheiden gerechnet werden. Doch der HCD zeigte sich erstarkt und schloss das Turnier mit zwei Siegen (Nürnberg, Trinec) und zwei Niederlagen (Team Canada, KalPa Kuopio) mehr als zufriedenstellend ab. Er bewegte sich in allen Partien mit den Gegnern auf Augenhöhe und man sah auf dem Eis viele Dinge, die zu Hoffnung Anlass geben.

In den insgesamt sechs Partien unter dem neuen Trainer Harijs Witolinsch (2 Meisterschaft, 4 Spengler-Cup) war permanent eine Steigerung zu erkennen. Die Mannschaft ist mit enorm viel Engagement unterwegs, das Selbstvertrauen und die Spielfreude kehren allmählich zurück und auch die Handschrift von Witolinsch ist immer besser zu erkennen. Der Patient befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Das Problem ist indes, dass es der Mannschaft noch nicht gelingt, ihrem Konzept während 60 Minuten treu zu bleiben, dass ihre Arbeit auf dem Eis noch starken Schwankungen ausgesetzt ist. Diese auszumerzen muss deshalb das nächste Ziel sein. «Im taktischen Bereich gibt es noch viel tun. Doch das kommt mit den Trainings, so werden wir auch zu einer besseren Konstanz in den Spielen finden», ist Witolinsch überzeugt.

Trennung von Del Curto war unumgänglich

23 Spiele stehen dem HC Davos in der Qualifikation noch bevor. Das ist fast die Hälfte des gesamten Programms. Führt man sich dies vor Augen, dann erscheint der Rückstand von 17 Punkten auf den Strich gar nicht mehr so gigantisch und wenn es den Bündner im neuen Jahr gelingen sollte, eine Siegesserie zu starten, ist das Playoff mit dem wieder gefundenen Leben im Team und der neuen Energie vielleicht doch noch möglich. Auch wenn ihnen die beiden starken Spengler-Cup-Verstärkungen Linus Klasen (Lugano) und Dario Simion (Zug) nun nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Rücktritt von Trainer-Ikone Arno Del Curto nach 22 Jahren war vor einem Monat ein Schocker, der die gesamte Hockey-Schweiz in Atem hielt. Während diesen Tagen in Davos hatte der Autor dieses Artikels die Gelegenheit, viele Gespräche mit dem Verein nahe stehenden Personen zu führen. Und diese zeigten in aller Deutlichkeit auf: Eine Trennung zwischen dem HCD und Del Curto war unumgänglich. Das Tuch zwischen der Mannschaft und dem Coach war zerschnitten, langjährige Verbündete des Engadiners stellten sich am Ende gegen ihn. Es brauchte einen neuen Mann, neue Ideen, neue Impulse.

Del Curto im Hamsterrad gefangen

Es ist schade, dass es nach all den Jahren und vielen Erfolgen auf diese Weise enden musste, aber letztlich ist ein Ende mit Schrecken immer noch besser als Schrecken ohne Ende. Im Nachhinein sind immer alle klüger und es lässt sich festhalten, dass Del Curto den idealen Zeitpunkt für seinen Abschied aus Davos um mindestens anderthalb Jahre verpasst hat. Ein Fakt, den er inzwischen auch selbst erkannt hat.

Aber dass es nicht früher dazu kam, ist trotzdem verständlich. Del Curto war im Hamsterrad gefangen. Denn Jahr für Jahr kamen Spieler ausschliesslich wegen ihm nach Davos, um durch seine Schule gehen zu können und von ihm geschliffen zu werden. Die jüngsten Beispiele waren Luca Hischier, Thierry Bader und Dario Meyer, die auf diese Saison als Perspektivenspieler zum HC Davos gewechselt haben. Aber es war bereits zu viel Geschirr zerschlagen. Und dann geschah das, was man in Davos für nicht möglich hielt: Die Mannschaft zog Del Curto den Stuhl unter seinem Hintern weg.

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