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FreispruchPatient sprang vom Balkon – Arzt freigesprochen

Der Psychiater, der einen suizidgefährdeten Mann im dritten Stock zum Rauchen auf den Balkon liess, wurde für unschuldig befunden.

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Der Patient stürzte sich aus nicht genau geklärten Gründen von einem Balkon im dritten Stock des Bruderholzspitals. Ein Selbstmordversuch kann nicht ausgeschlossen werden.

Der Patient stürzte sich aus nicht genau geklärten Gründen von einem Balkon im dritten Stock des Bruderholzspitals. Ein Selbstmordversuch kann nicht ausgeschlossen werden.

Keystone/Archivbild

Das Strafgericht in Muttenz sprach am Montag einen 37-jährigen Arzt frei, unter dessen Obhut sich ein 25-jähriger Schizophrener von einem Balkon im dritten Stock des Bruderholzspitals gestürzt hatte. Wie die «bz Basel» berichtet, sei der seit frühester Kindheit an psychischen Problemen leidende Mann im Juni 2012 von seiner Schwester notfallmässig ins Spital gebracht worden, da sich sein Zustand verschlechtert hatte. Der Arzt habe nach der Konsultation den Fall als ernst eingestuft, aber keinen akuten Notfall gesehen. So liess er den Mann auf dessen Wunsch zum Rauchen auf den Balkon, wo er von seiner Schwester und seiner Mutter begleitet wurde.

Was genau auf dem Balkon geschah, sei unklar, so die «bz Basel». Die Schwester habe lediglich geschildert, ihr Bruder hätte sich vom Geländer fallen gelassen. Da er unter Ängsten gelitten haben soll, von einem Hund gefressen zu werden, liesse sich nicht feststellen, ob es sich bei dem Sturz um einen Selbstmord- oder um einen verunglückten Fluchtversuch gehandelt habe. So habe der Mann auch nach dem Aufschlag auf dem Boden noch versucht, trotz seinen Verletzungen zu entkommen. Nun sei er teilweise querschnittgelähmt und würde lebenslang an Inkontinenz leiden.

Wieso wurde er auf den Balkon gelassen?

«Der Zustand des Patienten sei eine direkte Folge der falschen Risikoeinschätzung», schreibt die «Basler Zeitung» zur Position der Staatsanwaltschaft, die den Fall zur Anklage gebracht hatte. Der Psychiater hätte aufgrund der Aussagen des Patienten wissen müssen, dass eine akute Gefährdung bestand. Somit habe er sich der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gemacht.

Das Gericht aber sieht es anders. Laut der «bz Basel» habe Richterin Jacqueline Kiss festgehalten, dass der genaue Hergang des Vorfalls unklar sei. Zudem sei sie auf das Argument der Verteidigung eingegangen, dass man gefährdete Personen nicht automatisch einsperren könne. «Sonst kann man keine psychiatrische Ambulanz mehr führen», so Kiss gegenüber der Zeitung. So sei es schlussendlich im Zweifel für den Angeklagten zu einem Freispruch gekommen.

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