Luzerner Psychiatrie ausgelastet - Patienten müssen teilweise Monate auf Behandlung warten
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Luzerner Psychiatrie ausgelastet Patienten müssen teilweise Monate auf Behandlung warten

In der Luzerner Psychiatrie gibt es zu lange Wartezeiten und zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater. Mit verschiedenen Mitteln will man das Problem angehen.

von
Rochus Zopp
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Die Luzerner Psychiatrie ist stark ausgelastet.  Im Bild: Der Standort Löwengraben.

Die Luzerner Psychiatrie ist stark ausgelastet. Im Bild: Der Standort Löwengraben.

20min/Rochus Zopp
Die Betten der Luzerner Psychiatrie sind in den letzten Jahren im Schnitt zu 98 Prozent ausgelastet gewesen. Teilweise lag die Auslastung gar über 100 Prozent. Im Bild: Der Standort St. Urban

Die Betten der Luzerner Psychiatrie sind in den letzten Jahren im Schnitt zu 98 Prozent ausgelastet gewesen. Teilweise lag die Auslastung gar über 100 Prozent. Im Bild: Der Standort St. Urban

Lups
Dies, obwohl die Luzerner Bevölkerung selten psychiatrisches Angebot in Anspruch nimmt. Gerade die ambulanten Leistungen werden um 35 Prozent weniger genutzt als im Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung.

Dies, obwohl die Luzerner Bevölkerung selten psychiatrisches Angebot in Anspruch nimmt. Gerade die ambulanten Leistungen werden um 35 Prozent weniger genutzt als im Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung.

20min/Rochus Zopp

Darum gehts

  • Im neuen Planungsbericht Psychiatrie schreibt der Kanton Luzern, dass die Betten in der Luzerner Psychiatrie teilweise über 100 Prozent ausgelastet waren.

  • Für Patientinnen und Patienten kommt es zu langen Wartezeiten: Teilweise müssen sie Wochen bis Monate auf eine Behandlung warten.

  • Auch Kinder- und Jugendpsychiater gibt es im Kanton Luzern zu wenige. Vor allem ausserhalb der Stadt Luzern müssen Kinder lange warten.

  • Der Regierungsrat möchte nun Massnahmen dagegen ergreifen. Zwei bis 3,65 Millionen sollen dafür pro Jahr in den nächsten vier Jahren investiert werden.

In der Luzerner Psychiatrie (Lups) sind die Betten in den letzten Jahren im Schnitt zu 98 Prozent ausgelastet gewesen. Teilweise lag die Auslastung gar über 100 Prozent. Dies, obwohl die Luzerner Bevölkerung deutlich weniger psychiatrische Leistungen in Anspruch nimmt als der Schweizer Durchschnitt. Das stationäre Angebot wird in Luzern rund 15 Prozent weniger genutzt; die ambulanten Leistungen sogar 35 Prozent weniger als im Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung. Das geht aus dem neuen Planungsbericht Psychiatrie der Kantonsregierung hervor.

Zu wenig Jugendpsychiater ausserhalb der Stadt

Neben der hohen Auslastung sind auch lange Wartezeiten – vor allem im ambulanten Bereich – ein Problem. David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport, sagt dazu auf Anfrage: «Die Wartezeiten bei der Luzerner Psychiatrie variieren je nach Angebot und Standort. Teilweise können sie mehrere Wochen bis Monate betragen. In den letzten Jahren, insbesondere während der Coronakrise, sind die Wartezeiten bei den ambulanten Angeboten tendenziell weiter angestiegen. Besonders auch im Kinder- und Jugendbereich. Auch die niedergelassenen Psychiaterinnen und Psychiater sowie die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Kanton sind sehr stark ausgelastet.»

Noch stärker als in der Erwachsenenpsychiatrie leidet die Kinder- und Jugendpsychiatrie unter einem Missverhältnis zwischen Ressourcen und Nachfrage. Das liegt unter anderem daran, dass es sehr wenig niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater gibt. Diese sind vor allem in der Stadt Luzern zu finden. Laut dem Planungsbericht warten rund 300 Kinder und Jugendliche meist mehrere Wochen bis Monate auf eine Behandlung, sofern es keine Notfallbehandlung ist. Dem Notstand in der Kinder- und Jugendpsychiatrie soll mit 17 zusätzlichen Fachstellen entgegengewirkt werden.

Der Kanton Luzern geht davon aus, dass die Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen auch in Zukunft noch zunehmen wird. Die Regierung will dabei noch stärker auf ambulante Behandlungen setzen. Regierungsrat Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements, sagt dazu: «Aus medizinischer und volkswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, die psychiatrische Versorgung noch stärker ambulant auszurichten. Es wird immer Fälle geben, bei denen die stationäre Behandlung die bessere Wahl ist. Wo immer aber eine ambulante Therapie möglich ist, soll diese auch ambulant durchgeführt werden».

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Investitionen zwischen 2 und 3,65 Millionen jährlich

In den Ambulatorien sollen gemäss dem Planungsbericht 32 zusätzliche Fachstellen geschaffen werden. Diese sollen auch dazu dienen, Wartezeiten abzubauen. Auch im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie sollen 17 neue Fachstellen geschaffen werden. Zudem sollen Hausärzte und Hausärztinnen stärker in die psychiatrischen Behandlungen eingebunden werden. «Für die Patientinnen und Patienten wäre es einfacher, wenn sie direkt in der Hausarztpraxis eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erhalten könnten, ohne dass sie von Praxis zu Praxis geschickt werden müssen», so Graf. Hausärztinnen und Hausärzte könnten zum Beispiel ein psychiatrisches Angebot direkt in ihrer Praxis schaffen.

Eine weitere Schwerpunktmassnahme soll der Aufbau eines Kriseninterventionszentrums sein. Dort sollen Personen, die sich in einer akuten Notlage befinden, zeitnah professionelle Hilfe erhalten. Darin enthalten soll auch eine Abklärungs-, Notfall- und Triagestelle sein. Die Kosten für die verschiedenen Massnahmen sollen zwischen 2 und 3,65 Millionen Franken jährlich in den kommenden vier Jahren betragen.

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