Onlineportal: Patienten sollen Ärzte bewerten

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OnlineportalPatienten sollen Ärzte bewerten

Bisher haben sich Ärzte erfolgreich gegen Bewertungsportale gewehrt. Nun überlegen sie sich, ein eigenes zu lancieren. Den Patientenschutz freuts.

von
Fabian Lindegger
Nach der Behandlung die Bewertung: Die Leistung der Ärzte soll künftig von den Patienten auf einem Onlineportal beurteilt werden.

Nach der Behandlung die Bewertung: Die Leistung der Ärzte soll künftig von den Patienten auf einem Onlineportal beurteilt werden.

Die Schweizer Ärzte-Verbindung FMH überlegt sich, ein eigenes Portal für Ärzte-Bewertungen zu lancieren, wie Vorstandsmitglied Gert Printzen im Gespräch mit Radio SRF sagte. Bisher gibt es in der Schweiz nur zwei solcher Bewertungsportale. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern sind diese aber wenig umfassend und in den meisten Fällen finden sich kaum negative Kommentare – vor allem, weil sich die Ärzte bisher gegen schlechte Bewertungen gewehrt haben.

Was hat die Ärzte zu diesem Umdenken bewogen? «Es sollte in unserem eigenen Interesse sein, objektive Rückmeldung zu unserem Handeln zu bekommen», erklärt Gert Printzen auf Anfrage von 20 Minuten. Zudem könnten die Ärzte auch von Kritik profitieren. «Idealerweise sollte es nicht primär darum gehen, überall die besten Bewertungen zu erhalten, sondern man sollte darauf ausgerichtet sein, aus negativer Kritik zu lernen.»

Objektivität als Knackpunkt

Bei den bisherigen Bewertungsportalen sind laut der FMH vor allem die fehlende Objektivität das Problem. Und das sieht der Ärzteverband auch als eine der Hauptschwierigkeiten beim Aufbau eines neuen Bewertungsportals. «Man müsste sich etwa überlegen, Äusserungen in Tatsachenbehauptungen und Wertungen zu untergliedern», erklärt FMH-Vorstandsmitglied Gert Printzen. Zudem sei unklar, wie überprüft werden könne, dass die Bewertungen korrekt sind. Und es müsste garantiert werden, dass die Kommentar nicht ins Unflätige abrutschen, so Printzen weiter.

Solche Bewertungsportale können durchaus einen Einfluss auf das Gesundheitssystem haben. «In den USA konnte beispielsweise gezeigt werden, dass eine bessere Bewertung in einem Onlineportal zu einer stärkeren Nachfrage bei den besser bewerteten Ärzten führte», erklärt Stefan Boes, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Luzern. «Ob sich diese Resultate einfach auf die Schweiz übertragen lassen, ist jedoch aufgrund kultureller, systemischer und rechtlicher Unterschiede schwierig zu sagen.»

Patientenschutz teilt Bedenken der Ärzte

Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz und GLP-Nationalrätin, begrüsst die Pläne der FMH: «Ein neues Bewertungsportal würde die Transparenz auf jeden Fall steigern. Zudem würde es einen prophylaktischen Effekt haben. Die Ärzte würden sich wohl mehr Mühe geben beim Kommunizieren mit den Patienten, um negative Rückmeldungen zu vermeiden», so Kessler zu 20 Minuten.

Kessler teilt die Ansicht der FMH, dass die Bewertungen nach möglichst objektiven Kriterien erfolgen sollten. Einig sind sich die Präsidentin des Patientenschutzes und Printzen auch darin, dass die Bewertung nicht anonym sein sollte. Vor allem, weil verhindert werden müsse, dass Rating-Portale dazu benützt werden, unliebsamen Ärzten eins auszuwischen, so Kessler.

Zeitpunkt der Lancierung noch offen

Kessler wünscht sich, dass Rating-Portale den Patienten zusätzliche Informationen zu den einzelnen Ärzten liefert. «Zum Beispiel welche genauen Qualifikationen der Arzt hat oder wann die Röntgengeräte zum letzten Mal überprüft worden sind.» Dies alles würde der Qualitätssicherung dienen, ist Kessler überzeugt.

Dass das Portal neben Bewertungen auch zusätzliche Informationen beinhalten sollte, fände auch Gert Printzen ideal. Ob und wann das neue Bewertungsportal lanciert werden soll, ist aber unklar. Denn: «Ein Zeitplan besteht noch nicht», erklärt Printzen.

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