Aktualisiert 25.12.2007 13:50

Patriarch ruft zur Versöhnung auf

Eindringlich hat der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, die Konfliktparteien im Nahen Osten zur Versöhnung aufgerufen. In seiner Weihnachtspredigt in der Geburtskirche in Bethlehem kritisierte Sabbah zugleich die israelische Besatzung der Palästinensergebiete.

Das Heilige Land sei heute «ein Land des Krieges und des Konflikts und ein Land der Demütigungen des einen Volkes durch die Hand des anderen», sagte der oberste Vertreter der katholischen Kirche in der Region. Sabbah, der selbst Palästinenser ist, musste bei seiner Anreise aus Jerusalem zunächst einen Kontrollpunkt an der israelischen Sperranlage zum Westjordanland passieren.

Ein Land für alle

In seiner Weihnachtspredigt in der Geburtskirche in Bethlehem kritisierte Sabbah zugleich die israelische Besatzung der Palästinensergebiete und die Existenz von «politischen Gefängnissen». An der traditionellen Messe in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil.

«Gott wollte, dass dieses Land ein Land für alle ist - Juden, Christen und Muslime», sagte Sabbah zuvor. Dies müssten alle Politiker verstehen, die auf diesem Territorium einen Staat errichten wollten, Israelis ebenso wie Palästinenser.

Absage an Gewalt

Eine eindeutige Absage erteilte der Patriarch jeder Form von religiös motiviertem Extremismus. «Gewalt kann sich auf keine Religion berufen.» Die religiösen Führer sollten die Gläubigen «auf den Wegen der Gerechtigkeit, des Rechts, der Vergebung» bestärken.

Sabbah wurde auf der Fahrt nach Bethlehem im Westjordanland von israelischen Polizisten bis zum Grenztor begleitet, das dann hinter ihm wieder geschlossen wurde. Ebenso mussten sich viele andere Reisende scharfen Sicherheitskontrollen unterziehen.

Geburtsort von Jesus

Gleichwohl strömten am Heiligen Abend unzählige Pilger und Touristen nach Bethlehem, um dort um Mitternacht das Weihnachtsfest zu feiern. Die Hotels waren diesmal weitaus besser ausgelastet als in früheren Jahren, als im Zuge des Aufstands der Palästinenser und der israelischen Militäraktionen nur wenige Ausländer in den Nahen Osten reisten.

Schon am Montagnachmittag versammelten sich zahlreiche Menschen auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche (mehr lesen: Bethlehem erwartet Ansturm. In deren Grotte soll sich der Stall befunden haben, in dem nach christlichem Glauben Jesus geboren wurde. Palästinensische Polizisten waren zahlreich vertreten, um für Sicherheit zu sorgen.

(SDA/AP)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.