Aktualisiert 04.02.2011 15:34

«Tag des Abgangs»Pattsituation in Ägypten

Die Regierungsgegner harren, beschützt von der Armee, in Kairo und andern Städten aus und fordern weiterhin den Rücktritt Mubaraks. Doch dieser bewegt sich nicht.

Die Situation am Freitagmorgen

Die USA drängen mit aller Macht auf eine Wende in Ägypten. Obwohl Präsident Hosni Mubarak die Macht nicht aus den Händen geben will, arbeitet Washington an einer Lösung.

Nach einem Bericht der «New York Times» diskutiert die Regierung von Präsident Barack Obama mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für einen sofortigen Rücktritt Mubaraks.

Die Macht solle eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Omar Suleiman an der Spitze übernehmen. Diese Regierung würde dann eine sofortige Verfassungsänderung einleiten mit dem Ziel freier Wahlen im September. In US-Regierungskreisen sei dabei von einem Vorschlag unter vielen die Rede, berichtete die Zeitung weiter.

Unterstützung der Armee

Die Übergangsregierung solle die Unterstützung des Militärs haben, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte und arabische Diplomaten am Donnerstagabend (Ortszeit).

Auch der Generalstabschef der ägyptischen Armee, Generalleutnant Sami Hafis Anan, und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sollten hinter der Übergangsregierung stehen.

Es sollten auch andere politische Kräfte eingebunden werden, einschliesslich der Muslimbrüderschaft, schreibt das Blatt. Allerdings räumen die Regierungsbeamten ein, eine Lösung hänge von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der weiteren Entwicklung der Proteste. Ausserdem betonten sie, dass nicht direkt mit Mubarak verhandelt werde.

Angespannte Ruhe

Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo blieb es am frühen Freitagmorgen - im Gegensatz zur vorigen Nacht - zunächst ruhig. Hunderte Demonstranten bevölkern weiterhin das Areal. Es waren vergleichsweise wenig Militärfahrzeuge zu sehen. Im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete eine Korrespondentin, es herrsche eine «angespannte Atmosphäre».

Die Opposition kündigte weitere Massenproteste nach dem Freitagsgebet an. Eine Demonstrantin sagte dem Sender am frühen Freitagmorgen, nach den Übergriffen der vergangenen Tage befänden sich die Regierungsgegner auf dem Platz im Alarmzustand. Doch weiterhin gebe es nur ein Ziel: Den sofortigen Rücktritt Mubaraks.

Mubarak fürchtet das Chaos

Mubarak lehnt dies aber bisher strikt ab. «Wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen», sagte er dem TV-Sender ABC. Er hält sich nach Angaben des Senders im schwer bewachten Präsidentenpalast in Kairo auf.

Unterdessen bot Vize Omar Suleiman der Opposition einschliesslich der Muslimbruderschaft umfassende Verhandlungen an. Der neue ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Angriffe auf Regimegegner und eine Untersuchung der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz in Kairo an.

Dabei wurden nach Angaben es Gesundheitsministeriums in den vergangenen Tagen 13 Menschen getötet. (sda)

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