Grün bezahlen: Paygreen soll Shopping-Gewissen beruhigen

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Grün bezahlenPaygreen soll Shopping-Gewissen beruhigen

Ein Schweizer Start-up bietet eine Bezahlmethode, die Shops dazu bringt, klimaneutrale Produkte anzubieten und minimal CO2 zu produzieren. Das Motto: Anreiz zur Reduktion statt zur Kompensation.

von
Jan Graber
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Sie wollen Online-Shops dazu motivieren, umweltbewusst zu handeln: Roman Odermatt (CEO), Andrea Stöckli (CMO) und Christiane Voigtländer (Leiterin Sustainability) des Start-ups Paygreen.

Sie wollen Online-Shops dazu motivieren, umweltbewusst zu handeln: Roman Odermatt (CEO), Andrea Stöckli (CMO) und Christiane Voigtländer (Leiterin Sustainability) des Start-ups Paygreen.

Paygreen

Darum gehts

  • Beim Online-Shopping CO2 zu kompensieren, hilft dem Gewissen, aber nicht so sehr der Umwelt. 

  • Das Bezahlsystem Paygreen soll Online-Shops zu umweltfreundlichem Handeln motivieren.

  • Je besser die CO2-Bilanz des Shops, umso tiefer fallen die Gebühren für den Bezahldienst aus.

  • Am Paygreen-Label erkennen Shopper, ob sich ein Laden auf CO2-Emissionen untersuchen lässt.  

  • Noch ist das Angebot an Shops mit Paygreen klein.

So verführerisch Online-Shoppen ist: Mit jedem ausgesuchten Produkt klicken wir mittlerweile auch eine Portion schlechtes Gewissen in den Warenkorb – sei es, weil das Produkt unter unvorteilhaften Bedingungen für Mensch und Natur hergestellt wurde, die Schuhe wieder zurückgesendet werden oder weil hierzulande zu viel konsumiert wird und die CO2-Bilanz der Schweiz vor allem deshalb schlecht ist.

Zwar können wir das so verursachte CO2 mittlerweile in vielen Shops kompensieren, doch im Grunde handelt es sich um einen Ablasshandel: Etwas mehr bezahlen – und schwupps löst sich das schlechte Gewissen in nichts auf. Was jedoch bleibt, ist die Belastung der Umwelt.

Je grüner, umso kleiner die Gebühr

Roman Odermatt und seine Mitstreiter schlagen deshalb einen anderen Weg ein. Ihr Start-up hat die Bezahllösung Paygreen ins Leben gerufen. Paygreen setzt nicht auf Kompensation, sondern auf Anreize für die Online-Händler. «Die Idee entstand in einem Ökoladen», sagt der Paygreen-Mitgründer. «Ich hatte nur eine Kreditkarte dabei und erkannte, dass damit zwar die Ware, nicht aber die CO2-Kosten bezahlt werden.» Diese müsste danach die Allgemeinheit tragen.

Das Prinzip von Paygreen ist einfach und bestechend: Shops, die eine Bezahlung mit Paygreen akzeptieren, entrichten eine Gebühr, wie sie dies auch für Kreditkarten- oder Twint-Einkäufe tun würden. Je CO2-freundlicher das Shop-Angebot aber ist, umso tiefer fällt die Gebühr aus. Je weniger CO2 der Shop produziert, desto besser verdient er.

Shops, die Paygreen anbieten, lassen ihre CO2-Emissionen deshalb regelmässig analysieren. Die Methoden dazu haben Odermatt und sein Team selbst entwickelt. «Wir bewerten Auslieferungsmethoden, Materialien und Produktionsstandorte», sagt Odermatt. Gemessen wird vorerst nur der CO2-Fussabdruck, nicht aber, ob ein Produkt beispielsweise unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden ist. Die Shops erhalten danach einen Bericht über ihr Abschneiden und Verbesserungsvorschläge.

Grosse Bezahldienste als Partner

Im Sommer 2022 ist Paygreen live gegangen. Noch ist die Anzahl Shops überschaubar: Aktuell bieten vier Online-Shops die grüne Bezahlmethode an. Bezahlt wird die Ware zudem nicht über eine eigene App, sondern mittels QR-Rechnung via E-Banking. Das Start-up ist somit nicht selbst für den Zahlungsverkehr verantwortlich.

Odermatt ist sich bewusst, dass Paygreen nur zusammen mit einem grossen Player im Onlineshop-Markt durchstartet. Es brauche einen sogenannten «Hyper-Scaler», um das Modell erfolgreich zu machen – einen Dienst, der über mindestens eine halbe Million Transaktionen jährlich verbucht. Bis 2024 will Paygreen einen solchen Partner finden.

Entscheidend sei jedoch die Marktmacht der Konsumentinnen und Konsumenten: «Umweltbewusste Shopper werden erkennen, dass Shops ohne Paygreen-Label wahrscheinlich nicht ökologisch agieren», ist er überzeugt. Sie würden in solchen Shops weniger einkaufen, die Umsatzeinbussen würden diese dazu motivieren, ökologischer zu handeln und Paygreen einzuführen. 

Würdest du lieber CO2 kompensieren oder mit einem Dienst wie Paygreen bezahlen?

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