29.01.2020 15:35

Wissenschaftler alarmiert

Pazifik ist so sauer, dass sich die Krebse auflösen

Die Versauerung der Meere schreitet voran: Im Pazifik lösen sich deswegen vielerorts schon die Schalen der Kalifornischen Taschenkrebse auf.

von
trx
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Kalifornische Taschenkrebse an der US-Westküste leiden unter dem zunehmend sauren Wasser.

Kalifornische Taschenkrebse an der US-Westküste leiden unter dem zunehmend sauren Wasser.

NOAA
Ein Prachtsexemplar eines Kalifornischen Taschenkrebses, hier in Alaska.

Ein Prachtsexemplar eines Kalifornischen Taschenkrebses, hier in Alaska.

Wikimedia Commons/Gillfoto/CC BY-SA 4.0
Die Tiere gelten als Delikatesse ...

Die Tiere gelten als Delikatesse ...

Wikimedia Commons/Fred Hsu/CC BY-SA 3.0

Meeres­forscher haben eine erschreckende Entdeckung gemacht: Entlang der nördlichen US-Westküste und in Kanada ist der Pazifik so sauer geworden, dass dies die Tierwelt ­gefährdet. Dies zeigt eine neue Studie im Auftrag der US-Wetter- und Ozeanografie­behörde (NOAA), die im Fachblatt «Science of the Total Environment» publiziert wurde.

Die Kalifornischen Taschenkrebse – ein wichtiges Produkt der Fischerei in den Küstenstaaten Kalifornien, Oregon, Washington, Alaska und British Columbia (Kanada) – gehören zu den ersten Opfern: Die Krustentiere weisen gemäss einer Studie vielerorts buchstäblich aufgelöste Schalen auf. Zudem sind oft ihre Sinnesorgane beschädigt. Bereits bei den Larven von Krabben wurden Schäden festgestellt.

«Früher als erwartet»

«Wenn die Krabben bereits betroffen sind, müssen wir uns ernsthaft um die verschiedenen Komponenten der Nahrungskette kümmern, bevor es zu spät ist», sagt Studienleiterin Nina Bednarsek. «Solche Veränderungen haben wir erst viel später erwartet.»

Die betroffenen Krabben sind kleiner als üblich und haben zunehmend Mühe, zu schwimmen und Nahrung zu suchen. Zudem sind sie aufgrund ihrer oft beschädigten Sinnesorgane eine leichtere Beute für Fressfeinde.

Ganze Nahrungskette betroffen

Grund für die Probleme der Krebse ist, dass die Meere immer mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen – dies senkt den pH-Wert im Wasser, macht ­dieses also saurer. Seit 1880 sind die Meere um 26 Prozent saurer geworden. Gleichzeitig hat die Karbonat-Konzentration um 10 Prozent abgenommen.

Weniger Karbonat bedeutet, dass weniger Kalziumkarbonat entsteht. Dieses Molekül ist lebenswichtig für die Krebse. Für den Aufbau ihrer Panzer sind sie darauf angewiesen. Wenn die Karbonat-Konzentration zu niedrig ist, löst sich Kalziumkarbonat auf.

Weitere Folgen der Versauerung sind exzessives Algenwachstum und ein steigender Salzgehalt des Meeres, wie die NOAA schreibt. Be­troffen von der Versauerung sind auch Korallen, Muscheln und sogar das Plankton – die Grundlage der Nahrungskette im Meer.

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