Pedalo-Unfall: Waren die Luftkammern offen?
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Pedalo-Unfall: Waren die Luftkammern offen?

Das Pedalo, mit dem zwei junge Männer am Wochenende tödlich verunfallt sind, war bereits ausgewassert. Vermutlich fehlte der Stöpsel der Auftriebskammern des Bootes.

Die Idee war fatal: Weil das Geld fürs Taxi nicht mehr reichte, wollten vier Jugendliche den Heimweg von Genf nach Lausanne per Pedalo antreten. Für zwei junge Männer endete die Reise tödlich. Ihre Leichen wurden rund 300 Meter vom Ufer entfernt gefunden. Die Pedalos waren ausgewassert und für den Winter vorbereitet. Unter anderem werden dabei die Stöpsel für die Luftkammern der Boote herausgezogen, damit sich kein Wasser darin ansammeln kann.

Sicherheit auf Pedalos oft unterschätzt

So macht es auch die St. Niklausen-Schiffgesellschaft SNG in Luzern, die ebenfalls Pedalos vermietet. «Die Kammern werden in den kalten Jahreszeiten entwässert, damit das Wasser in den Luftkammern nicht gefrieren kann», erklärt René Untersee, Geschäftsleiter SNG, das Prozedere gegenüber 20minuten.ch. «Werden die Boote ohne Stöpsel ins Wasser gelassen und in Bewegung gesetzt, können sich die Kammern füllen, das Pedalo wird instabil und kann kentern.» Ob das auch in Lausanne der Fall war, ist noch Gegenstand der Untersuchungen.

René Untersee weiss, dass die Gefahren beim Mieten von Pedalos oft unterschätz werden. «Man vergisst leicht, wie schnell eine Unterkühlung möglich ist. Ist der Körper unterkühlt, geht er unter wie ein Stein.» Im Frühling vor zwei Jahren kam es auch bei der SNG zu einem tödlichen Unfall. Es lag damals allerdings nicht an der Fahrtauglichkeit des Pedalos selbst: «Das junge Paar, das das Boot gemietet hat, ist ins Wasser geraten. Ob sie hinein gesprungen sind oder ob sie gefallen sind, weiss man nicht. Einer der beiden war Nichtschwimmer.» Das Informationsblatt der SNG, auf dem die Pedalomieter jeweils vor Fahrbeginn auf mögliche Gefahren hingewiesen werden, wurde später feinsäuberlich gefaltet im Portemonnaie der Verunglückten gefunden.

«Wer ein Pedalo will, muss rüber schwimmen»

Im Zürcher Seebecken wurden die Pedalos mittlerweile ebenfalls für den Winter vorbereitet, die Steege zu den schwimmenden Bootshäuschen sind hochgezogen. «Unsere Boote sind ausgewassert, die Stühle wurden entfernt und die Ruder aufgezogen», erklärt Marc Lindenmann, Bootsvermieter beim Pier7. «Wenn jemand die Pedalos klauen möchte, dann müsste er erst durch das eiskalte Wasser zum Pier rüber schwimmen und das schwere Boot, Marke Forsa, ins Wasser wuchten.» Doch selbst wenn die Pedalos gewassert werden können, bleiben sie unbrauchbar. «Sie gehen zwar sicher nicht unter, weil die Luftkammern aus Metall sind und nicht geöffnet werden können», so Lindenmann, «aber ohne Ruder können sie nicht gesteuert werden.»

Tina Fassbind, 20minuten.ch

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