Aktualisiert 21.04.2006 21:37

Peinlich: Weisses Haus brüskiert die Volksrepublik China

Beim Empfang des chinesischen Präsidenten ist einem Sprecher des Weissen Hauses ein peinlicher Fehler unterlaufen: Bei der Ankündigung der chinesischen Nationalhymne sprach er statt von der Volksrepublik China von der Republik China, also Taiwan.

Brisant daran: Taiwan, mit offiziellem Namen Republik China, wird von der Volksrepublik als abtrünnige Provinz betrachtet wird - ein Umstand, der seit Jahrzehnten international für diplomatischen Wirbel sorgt. US-Präsident George W. Bush hat denn auch beim Besuch seines chinesischen Kollegen Hu Jintao eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen China und Taiwan angemahnt. «Wir glauben, dass die Zukunft Taiwans friedlich gelöst werden sollte», sagte Bush am Donnerstag nach einem Treffen mit Hu im Weissen Haus. Der chinesische Präsident erklärte, Peking strebe Frieden mit der Insel an, werde aber niemals zulassen, «dass jemand Taiwan dazu bringt, sich von China abzulösen».

China befürchtet, dass Taiwan auch formal seine Unabhängigkeit erklären könnte. De facto ist die Insel schon seit 1949 unabängig, sie wird von Peking aber als abtrünnige Provinz betrachtet. Nach dem Gespräch im Weissen Haus erklärte Hu auf einer Pressekonferenz, Präsident Bush habe Verständnis für die Sorgen Chinas gezeigt.

Hu beendet USA-Reise mit Rede an Yale-Universität

Zum Abschluss seines viertägigen Besuchs in den USA hat der chinesische Präsident Hu Jintao den eigenständigen politischen Weg seines Landes bekräftigt. Bei der weiteren Entwicklung werde China nicht einfach die politischen Modelle anderer Länder kopieren, sagte Hu in einer Rede an der Yale-Universität. Andererseits sei China aber durchaus bereit, nützlichen Erfahrungen anderer Länder aufzugreifen.

Hu versprach ferner eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den USA. Differenzen etwa in Währungsfragen und beim Thema Menschenrechte könnten durch den gemeinsamen Wunsch nach Frieden überwunden werden. Ein Treffen mit US-Präsident George W. Bush am Donnerstag war ohne eine Annäherung im Währungsstreit zu Ende gegangen. Auch bei der Suche nach einer gemeinsamen Linie im Irankonflikt gab es keine Fortschritte.

Angesichts eines Rekord-Handelsdefizites von 202 Milliarden Dollar gegenüber China hatte Bush seinen Gast aufgefordert, Gegenmassnahmen zu ergreifen. Er verwies insbesondere auf die aus Sicht der USA stark unterbewertete chinesische Währung Yuan. Hu äusserte sich jedoch wie erwartet unverbindlich. Man werde weitere Schritte unternehmen, um das Problem zu lösen, sagte er.

Auch am Schlusstag seines Besuchs in den USA am Freitag kam es wie schon an den Tagen zuvor zu antichinesischen Demonstrationen.

Quelle: AP/SDA

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