Christen in China: Peking schreitet gegen Gottesdienst ein
Aktualisiert

Christen in ChinaPeking schreitet gegen Gottesdienst ein

Die chinesische Polizei hat in Peking Dutzende Mitglieder einer nicht genehmigten christlichen Gemeinde festgenommen. Ein geplanter Freiluftgottesdienst war den Behörden ein Dorn im Auge.

Symbolbild. Die Chong Wen Men Kirche, in den 1870er-Jahren von amerikanischen Methodisten errichtet, ist eine der grössten Kirchen Pekings.

Symbolbild. Die Chong Wen Men Kirche, in den 1870er-Jahren von amerikanischen Methodisten errichtet, ist eine der grössten Kirchen Pekings.

Zu den 30 Mitgliedern der protestantischen Shouwang-Gemeinde, die am Samstagabend festgenommen worden seien, zählten der einflussreiche Pastor Jin Tianming und weitere Gemeindeverantwortliche, erklärte die in den USA ansässige Gruppe China Aid. Sie seien am Sonntag wieder freigelassen worden.

Viele Gemeindemitglieder seien jedoch in ihren Wohnungen festgesetzt worden, so dass sie nicht am geplanten Freiluftgottesdienst der Gemeinde teilnehmen konnten.

Die Shouwang-Gemeinde ist eine der grössten christlichen Untergrund-Gemeinden in Peking. Da sie sich nicht unter die Oberaufsicht der chinesischen Behörden stellte, darf sie laut China Aid ihren bisherigen Versammlungsort nicht weiter mieten. Ausserdem habe die Regierung der Gemeinde untersagt, ein Haus zu kaufen.

Die Gemeinde hatte daher für diesen Sonntag zu einer Freiluft-Versammlung aufgerufen. Bereits vergangenen Sonntag hatten sich Gemeindemitglieder unter freiem Himmel versammelt. Die Polizei nahm laut China Aid knapp 170 Gläubige fest, von denen die meisten später freigekommen seien. Die Polizei wollte sich zu den jüngsten Festnahmen nicht äussern.

Christen in China

In China gehören rund 15 Millionen Protestanten und fünf Millionen Katholiken staatlich registrierten Kirchen an. Schätzungsweise mehr als 50 Millionen Christen versammeln sich aber lieber in Untergrund-Kirchen, um einer staatlichen Kontrolle ihrer Glaubenspraxis zu entgehen.

Die chinesischen Behörden gingen in den vergangenen Wochen verstärkt gegen Regierungskritiker vor, darunter Schriftsteller, Künstler, Anwälte und Aktivisten. Für weltweite Empörung sorgte die Festnahme des international renommierten Künstlers Ai Weiwei Anfang des Monats. (sda)

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