Peking startet die Propaganda-Maschine
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Peking startet die Propaganda-Maschine

China hat eine Propagandakampagne gegen die Proteste beim olympischen Fackellauf gestartet. Das wichtigste Angriffsziel sind ausländische Medien, denen «verfälschte» Berichterstattung über die Tibeter-Proteste vorgeworfen werden.

Das Ausmass und die Schärfe der chinesischen Gegenkritik sind ein Zeichen für die Sorge der kommunistischen Führer, dass nach dem Spiessrutenlauf des Olympischen Feuers auch der reibungslose Ablauf der Sommerspiele in Peking in Gefahr geraten könnte.

Mit ihren Angriffen auf ausländische Journalisten diskreditiert der Propagandaapparat in China durchaus erfolgreich die Glaubwürdigkeit der Nachrichten aus dem Ausland und schürt den Nationalismus.

Nach den Zwischenfällen in Paris konzentrierten sich Chinas Staatsmedien am Dienstag auf die Kritik an den antichinesischen Protesten. «Zuschauer des Fackellaufes waren sehr genervt und verärgert über die tibetischen Separatisten und ihre Unterstützer», schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

«Schlechte Rolle» der Medien

Ein chinesischer Student namens Liu Zijun wird zitiert: «Die Mehrheit der Franzosen sind China gegenüber sehr freundlich, aber sie haben keine Ahnung, was wirklich in Tibet passiert ist, und sind von verzerrten Berichten einiger westlicher Medien in die Irre geführt worden.» Die Medien spielten eine «sehr schlechte Rolle».

Eine «Hand voll» Unruhestifter habe der Mehrheit prochinesischer Zuschauern gegenüber gestanden, die mit teilweise sogar selbst genähten chinesischen Nationalflaggen freudig dem Olympischen Feuer zugejubelt hätten, wird in Chinas Zeitungen geschildert.

Die Demonstranten wurden als «tibetische Separatisten» beschrieben, ohne dass Proteste gegen Menschenrechtsverstösse oder Chinas umstrittene Rolle in dem Flüchtlingsdrama im sudanesischen Darfur erwähnt wurden.

Missgunst als Motiv vermutet

Schon seit Wochen werden die Kritik an China und die Proteste der Tibeter als Verschwörung antichinesischer Kräfte dargestellt, die den Aufstieg Chinas als politische und wirtschaftliche Macht verhindern wollten.

Solche Töne kommen im patriotischen Volk gut an. Die Vorwürfe über «voreingenommene Berichterstattung» ausländischer Medien werden von Chinesen meist ungeprüft aufgenommen. Das Staats-TV zeigt täglich Bilder schwer verletzter Chinesen, die am 14. März in Lhasa brutalen Angriffen randalierender Tibeter zum Opfer fielen.

Dass sich die internationale Kritik gegen die Niederschlagung friedlicher Proteste buddhistischer Mönche, Todesschüsse durch Sicherheitskräfte oder Massenfestnahmen richtet, taucht in Chinas Staatsmedien nicht auf. Auch die Satellitenübertragung westlicher TV-Sender wie CNN wurden häufig zensiert.

Hasserfüllte E-Mails

Was nach Zensur und Propaganda am Ende bei Chinesen übrig bleibt, ist schon länger das böse Gefühl, dass der Rest der Welt ihnen die Olympischen Spiele nicht gönnt.

In hasserfüllten E-Mails, Anrufen und manchmal sogar Todesdrohungen gegen Korrespondenten in Peking entlädt sich ein überbordender Nationalismus. Der Club der Auslandskorrespondenten in China mahnt zu Sicherheitsvorkehrungen in Büros. (sda)

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