Aktualisiert 13.08.2009 23:46

Couchepin-Nachfolge«Pelli könnte Schwaller zum Bundesrat küren»

Mit Urs Schwaller hat die CVP ihr bestes Pferd aus dem Stall genommen, um den Sitz von Pascal Couchepin zu beerben. Politologe Michel Hermann erklärt, wer nun die grössten Wahlchancen hat - und wem ein Misserfolg gar den Kopf kosten könnte.

von
Adrian Müller

Heute Mittag hat CVP-Ständerat Urs Schwaller seine Kandidatur als Bundesrat bekannt gegeben. Er verhielt sich betont bilingue: Sein Statement gab er mehrheitlich auf Französisch ab.

20 Minuten Online: Mit der Kandidatur von Urs Schwaller geht die CVP frontal auf die FDP los. Ist dies bloss Polittheater oder bitterer Ernst der Christdemokraten?

Michael Hermann: Absoluter Ernst. Mit Urs Schwaller hat die Partei ihr bestes Pferd ins Rennen geschickt. Christophe Darbellay kann damit seine Bundesratsambitionen vorerst begraben. Er braucht noch viel Zeit, um das für einen Bundesrat nötige Format zu erreichen.

Was zeichnet den Kandidaten Schwaller aus?

Neben seiner Exekutiverfahrung als Freiburger Finanzdirektor und seiner Tätigkeit als CVP-Ständerat- und Fraktionspräsident gefallen besonders seine integrativen Fähigkeiten. Er konnte die Flügelkämpfe zwischen der konservativen CVP-Stammwählerschaft und der urbanen Klientel schlichten. Zudem geniesst er durch seine langjährige Arbeit im Bundeshaus grossen Respekt bei den anderen Parteien, über alle Politgräben hinweg.

Zuletzt sah sich Schwaller wegen des Sprachenstreits in die Defensive gedrängt. Er sei nur ein halber Welscher, warfen ihm seine Gegner vor. Gelingt ihm nun der Befreiungsschlag?

Mit der Kandidatur von Fulvio Pelli, der den Sprachenstreit selber angezettelt hat, relativiert sich dieses Problem. Pelli ist selber ein Tessiner und kein Welscher. Damit könnte Pelli Schwaller gar zum Bundesrat küren. Allerdings halte ich es noch für verfrüht, von einem Duell Schwaller gegen Pelli zu sprechen. Pelli ist selber ein Gegner der Welschen. Die FDP-Fraktion muss sich genau überlegen, ob sie dieses Wagnis einer Tessiner Kandidatur eingehen soll.

Welche Prognose geben Sie für die Couchepin-Ersatzwahlen ab?

Es wird extrem spannend. Schwaller hat gute Wahlchancen, insbesondere wenn er gegen Pelli in den Ring steigen kann. Von den restlichen FDP-Kandidaten sehe ich Didier Burkhalter in der Pole-Position, gefolgt von Pascal Broulis.

Die FDP hat genug Bundesratskandidaten. Warum kandidiert der 58-jährige dossierfeste, aber farblose Parteipräsident überhaupt für die Landesregierung?

Der Grund ist Pellis persönlicher Ehrgeiz. Offenbar ist es sein Lebenstraum, in den Bundesrat einzuziehen. Mit der Kandidatur geht er aufs Ganze - ein Misserfolg könnte ihn durchaus seinen Posten als Parteipräsident kosten.

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