Aktualisiert 01.03.2011 17:01

Tierquälerei-Verbot«Pelzhandel ist nichts Verwerfliches»

Pelze von Tieren, die gequält wurden, dürfen weiterhin in die Schweiz importiert werden. Ständerat Ivo Bischofberger erklärt, weshalb er gegen eine Initiative gestimmt hat, die das verhindern wollte.

von
Ronny Nicolussi
Bern
Ein Nerz wartet in einem Käfig in China auf seine Verarbeitung.

Ein Nerz wartet in einem Käfig in China auf seine Verarbeitung.

Sie haben heute mit der Mehrheit des Ständerats gegen ein Importverbot für «tierquälerisch hergestellte Pelzprodukte» gestimmt. Haben Sie kein Herz für Tiere?

Ivo Bischofberger: Natürlich bin ich dagegen, wenn Tiere bei der Pelzproduktion gequält werden. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist aber eine andere. Wie können wir sicherstellen, dass die Konsumenten darüber informiert sind, was für ein Produkt sie kaufen, wenn sie sich für einen Pelz entscheiden.

Damit schieben Sie die Verantwortung an die Kunden weiter.

Das muss so sein. Ziel ist eine Gesetzgebung, bei der die Kunden aufgrund einer Deklarationspflicht ganz genau wissen, was für Produkte sie erwerben.

Was hätte gegen ein Verbot solcher Importe gesprochen?

Ein Verbot wäre illusorisch gewesen. Damit wäre über das Ziel hinausgeschossen worden. Der Pelzhandel an und für sich ist ja nichts Verwerfliches, wenn die Tiere tierschutzgerecht gehalten werden. Wichtig ist einfach, dass man genau hinschaut, wie die Produkte hergestellt werden.

Offenbar eben nicht so, wie wir uns das in der Schweiz vorstellen.

In der Schweiz haben wir tatsächlich in der Tierschutzgesetzgebung einen sehr hohen Standard.

Wir können anderen Ländern aber nicht unsere Standards aufzwingen.

Wir könnten aber darauf pochen, dass nur Pelze in die Schweiz gelangen, die nach Schweizer Normen «produziert» werden.

Das machen wir indirekt auch, indem wir eine Deklarationspflicht für Pelze einführen werden. Das Parlament hat einer entsprechende Motion von Nationalrätin Tiana Moser zugestimmt. Damit soll für den Kunden transparent werden, ob ein Pelz aus einem Land kommt, in welchem es einschlägige Schwarzmärkte gibt.

Auf der Etikette wird wohl kaum stehen, dass ein Tier gequält wurde.

Ich gehe davon aus, dass die Deklarationen seriös gemacht werden. Das ist einerseits im Interesse des Landes, das die Deklarationen ausstellt, und anderseits im Interesse der internationalen Gesetzgebung. Die Welthandelsorganisation WTO/GATT wird solche Deklarationen kontrollieren und bei Ländern, die Missbrauch betreiben, Massnahmen ergreifen.

Wie effektiv sind solche Kontrollen, in Ländern, in denen Tiere gequält werden?

Ich weiss nicht im Detail, wie das in den einzelnen Ländern gehandhabt wird. Aber es gibt internationale Standards, die eingehalten werden müssen. Wenn die Schweiz etwas bewirken will, muss sie sich in solchen internationalen Gremien einsetzen. Tierschutz, Konsumentenschutz und Handel haben sich dazu bereits zusammengesetzt und sich auf einschlägige Artikel im Konsumenteninformationsgesetz geeinigt.

Initiative definitiv vom Tisch

Initiative definitiv vom Tisch

Der Ständerat hat am Dienstag die parlamentarische Initiative für ein Importverbot von «tierquälerisch hergestellten Pelzprodukten» mit 22 zu 12 Stimmen abgelehnt. Damit ist der Vorstoss von SP-Nationalrätin Pascale Bruderer definitiv gescheitert. Der Nationalrat und die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur hatten sich zuvor für Bruderers Anliegen ausgesprochen. (rn)

Ivo Bischofberger vertritt seit 2007 den Kanton Appenzell Innerrhoden im Ständerat. Der CVP-Politiker ist Mitglied der vorberatenden Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK), die Bruderers Tierschutzinitiative bereits zweimal abgelehnt hatte.

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