Anzeige möglich: Penaltypunkt-Dieb droht rote Karte

Aktualisiert

Anzeige möglichPenaltypunkt-Dieb droht rote Karte

Er ist das Gesicht des Platzsturms beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC: Der Mann, der den Elfmeterpunkt ausbuddelte. Nun hat der 35-Jährige wohl bald grossen Ärger.

von
mon

Ein 35-jähriger Fortuna-Fan wird das Relegationsrückspiel zwischen Düsseldorf und Hertha Berlin so schnell nicht mehr vergessen. Als er gemeinsam mit anderen Anhängern des Heimteams vor zehn Tagen verfrüht das Feld stürmte und damit bis heute andauernde juristische Nachwehen provozierte, sicherte er sich ein einmaliges Andenken: einen Elfmeterpunkt. Mit einer Fahne buddelte er diesen aus und liess sich auch nicht von einem herbeeilenden Ordner beirren. Der Penaltypunkt-Dieb erlangte weit über die Grenzen hinaus Bekanntheit.

Doch nun könnte die Aktion böse Folgen haben: Nach dem verfrühten Platzsturm hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Privatpersonen aufgenommen. Auch die Fortuna überlegt sich laut «RP Online» rechtliche Schritte gegen den Penaltypunkt-Dieb - und alle anderen, die die Partie fast zum Abbruch brachten. «Solange das Sportgerichtsverfahren läuft, werden wir zu diesem Thema keine Stellung nehmen. Ich möchte das nicht kommentieren», erklärt Vereinspräsident Peter Frymuth und gibt an: «Bisher wurde von Seiten Fortunas noch keine Anzeige gegen irgendjemand gestellt. Wenn die Sportgerichtsbarkeit entschieden hat, werden wir unsere Wahrnehmung darlegen und weitere Schritte in Betracht ziehen.»

Reuiger Rasendieb

Der Penaltypunkt-Dieb beteuert in einem Interview mit dem «Express», dass er seinem Klub keinen Schaden zufügen wollte. «Ich habe erst, als ich vom Rasen runter bin, gemerkt, dass das Spiel noch nicht beendet ist. Ich war total perplex. Ich würde doch nie etwas tun, was Fortuna schadet», sagt der treue Fan. Im Gegensatz zu 90 Prozent aller Zuschauer sei er schon seit der Oberliga-Zeit dabei.

Auf seine Buddel-Aktion war er im ersten Moment stolz, der Tragweite der Tat wurde er sich erst später bewusst. «Es ist der Traum von jedem Fan, ein Stück Aufstiegsrasen mitzunehmen. Und der Elfmeterpunkt ist der königlichste Punkt auf dem Platz.» Beim Verlassen der Arena hätten ihn Leute nach Fotos gefragt und ihm gratuliert. «Da habe ich mich noch gut gefühlt. Jetzt habe ich Angst und weiss, dass ich Mist gebaut habe. Ich möchte nicht, dass Fortuna wegen eines Missverständnisses bestraft wird. Wir waren doch nur feiernde und glückliche Menschen auf dem Platz. Ich bin zwar nur das Gesicht der Menge, möchte mich aber bei Norbert Meier und der Mannschaft entschuldigen.»

Ob es zu Konsequenzen für den Rasendieb kommt, ist noch unklar. Sollte er bestraft werden, gibt es bei ihm wohl wenig zu holen. «Ich bin Alleinverdiener, kann mir kein Auto leisten», sagt der 35-Jährige. «Aber ich bin bereit alles zu tun, was in meinen Möglichkeiten liegt.»

Erinnerungen an St. Gallen werden wach

Penaltypunkt-Diebstähle gab es übrigens schon einige. Der spektakulärste in der Schweiz ging 2008 in St. Gallen über die Bühne und hielt sich tagelang in den Medien. Unbekannte «entführten» im Espenmoos ebenfalls einen Elfmeterpunkt, noch bevor das Stadion endgültig ausgedient hatte. Sie filmten ihre Tat und liessen das Video 20 Minuten Online zukommen. Die «Entführer» wurden vom FC St. Gallen angezeigt und boten schliesslich an, den Punkt zugunsten des FCSG-Nachwuchses zu versteigern.

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