Verkehr: Pendeln lohnt sich nur für Bahn-Benützer
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VerkehrPendeln lohnt sich nur für Bahn-Benützer

Autofahrer zahlen drauf, wenn sie auf dem Land wohnen. Das belegt eine neue Studie. Dank tiefen Preisen lohnt sich das Pendeln mit der Bahn.

von
Stefan Ehrbar
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Das Online-Sparportal Cuponation hat untersucht, wie viel Geld Pendler mit dem Auto und der Bahn gewinnen respektive verlieren, wenn sie in Zürich arbeiten und anderswo wohnen.

Das Online-Sparportal Cuponation hat untersucht, wie viel Geld Pendler mit dem Auto und der Bahn gewinnen respektive verlieren, wenn sie in Zürich arbeiten und anderswo wohnen.

Keystone/Gaetan Bally
Als Referenz dienten die ÖV-Kosten respektive die Kosten eines Musterautos, wie sie der TCS angibt. Verglichen wurde mit den Kosten einer 3-Zimmer-Wohnung mit 60 bis 70 Quadratmeter.

Als Referenz dienten die ÖV-Kosten respektive die Kosten eines Musterautos, wie sie der TCS angibt. Verglichen wurde mit den Kosten einer 3-Zimmer-Wohnung mit 60 bis 70 Quadratmeter.

Keystone/Christof Schuerpf
Dabei hat sich gezeigt: Auto-Pendler aus Bern legen trotz der günstigeren Mieten in der Bundesstadt drauf. Im Bild: Stau auf der A1 bei Bern.

Dabei hat sich gezeigt: Auto-Pendler aus Bern legen trotz der günstigeren Mieten in der Bundesstadt drauf. Im Bild: Stau auf der A1 bei Bern.

Keystone/Peter Klaunzer

In der Stadt zu arbeiten und auf dem Land zu wohnen, lohnt sich trotz der tieferen Mieten finanziell nur selten – zumindest für Autofahrer. Bahn-Pendler hingegen können ordentlich Geld sparen. Das belegt eine neue Studie des Sparportals Cuponation, das 20 Minuten vorliegt.

Sie zeigt am Beispiel eines Arbeitsplatzes in der Stadt Zürich auf, wie tief Pendler in die Tasche greifen. In Zürich sind 450'000 Menschen beschäftigt. Etwa jeder sechste Arbeitsplatz der Deutschschweiz befindet sich gemäss Angaben des Bundesamts für Statistik hier.

In Winterthur wohnen lohnt sich

Die Autoren berechneten, welche Pendel-Kosten in 16 verschiedenen Wohnorten entstehen. Als Referenz diente eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 60 bis 70 Quadratmetern und die günstigsten Kosten für den öffentlichen Verkehr respektive Kilometerkosten, wie sie der TCS für ein Musterauto angibt. Berücksichtigt wurde, dass auch Einwohner der Stadt Zürich Wege mit dem öffentlichen Verkehr respektive dem Auto zurücklegen.

Das Auto-Pendeln lohnt sich nur von wenigen Orten aus. In Winterthur ist die Miete für eine vergleichbare Wohnung über 460 Franken im Monat tiefer als in Zürich. Gleichzeitig liegen die Städte nahe beieinander. Insgesamt resultiert ein monatlicher Kostenvorteil von 250 Franken pro Monat beim Auto-Pendeln respektive 340 Franken beim Pendeln mit dem Zug.

Mit dem Zug ist Bern günstiger

Wer von Schaffhausen auf der Strasse nach Zürich pendelt, macht 500 Franken im Monat vorwärts. Auto-Pendeln aus Rapperswil-Jona SG ist 220 Franken günstiger als die Wohnung in Zürich. Leicht teurer ist das Pendeln für Einwohner von Luzern. Das Pendeln mit dem Fahrzeug von Basel-Stadt kostet unter dem Strich hingegen trotz tieferer Mieten im Monat 200 Franken extra, für Berner sind zusätzliche 480 Franken fällig.

Besser sieht die Bilanz für Benützer des öffentlichen Verkehrs aus. Auch das Pendeln aus weit entfernten Orten lohnt sich. So ist es im Monat 380 Franken günstiger, in Bern zu wohnen und in Zürich zu arbeiten, als in Zürich nahe der Arbeit zu leben.

Günstiges Toggenburg

Sparpotenzial birgt das Wohnen auf dem Land. Wer aus Wattwil SG nach Zürich pendelt, kann dank der tiefen Preise im Toggenburg fast 1000 Franken pro Monat auf die Seite legen – ist dann allerdings auch über zwei Stunden täglich im Zug unterwegs.

Mit ein Grund dürfte sein, dass der Preis für das GA mit 3860 Franken in der zweiten Klasse eine Art Deckel darstellt. Teurer wird das ÖV-Pendeln nie, während das Autofahren mit zunehmender Entfernung immer mehr Geld verschlingt.

«Rechtfertigt Preiserhöhung nicht»

Gemäss einer Studie des ÖV-Informationsdienstes Litra lohnt es sich bereits ab einer täglichen Strecke von 80 Kilometern, ein GA zu kaufen. Etwa 70'000 GA-Benützer legen täglich mehr als 100 Kilometer mit dem Zug zurück.

SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar schlug deshalb letztes Jahr im «Blick» vor, das GA «neu zu denken». Vorerst dürfte dies keine Chance haben: «Nur weil es mit dem Auto teurer ist, rechtfertigt sich noch keine Preiserhöhung», sagt etwa CVP-Ständerat und Verkehrspolitiker Stefan Engler. In der Branche diskutiere man eine Beschränkung der Nutzung, er halte sie aber zurzeit nicht für realistisch.

Effektiv kann Pendeln dank tieferen Steuersätzen und Abzügen billiger sein als in der Studie angegeben. Solche Effekte wurden nicht miteinberechnet – genauso wenig wie die Tatsache, dass täglicher Stau und überfüllte Züge auf die Laune schlagen.

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