Aktualisiert 25.05.2016 12:25

Stress-Faktor

Pendeln schadet Ihnen – und Ihren Kindern

Regelmässig stehen Pendler im Stau oder warten auf Züge. Das schadet auf Dauer nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch der ihrer Kinder.

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Wenn Väter täglich lange Wege zur Arbeit zurücklegen müssen, stresst das nicht nur sie selbst. Auch ihre Kinder leiden, wie deutsche Forscher berichten.

Wenn Väter täglich lange Wege zur Arbeit zurücklegen müssen, stresst das nicht nur sie selbst. Auch ihre Kinder leiden, wie deutsche Forscher berichten.

Keystone
Fünf- bis sechsjährige Kinder von Pendlern leiden laut dieser häufiger unter sozialen Problemen - und zwar unabhängig davon, ob die Mutter ebenfalls arbeitet oder nicht.

Fünf- bis sechsjährige Kinder von Pendlern leiden laut dieser häufiger unter sozialen Problemen - und zwar unabhängig davon, ob die Mutter ebenfalls arbeitet oder nicht.

Colourbox.com/Highwaystarz
Kehren die Väter nicht am Abend, sondern nur am Wochenende nach Hause zurück, gesellen sich auch noch emotionale Probleme der Kinder dazu. Das zeigt laut den Forschern, dass «das Berufspendeln eine bisher unterschätzte Quelle von Konflikten im Kontext von Arbeit und Familie ist».

Kehren die Väter nicht am Abend, sondern nur am Wochenende nach Hause zurück, gesellen sich auch noch emotionale Probleme der Kinder dazu. Das zeigt laut den Forschern, dass «das Berufspendeln eine bisher unterschätzte Quelle von Konflikten im Kontext von Arbeit und Familie ist».

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Wer häufig pendelt, zahlt dafür einen hohen Preis, denn das ständige Hin und Her ist der Gesundheit nicht gerade zuträglich: So leiden Pendler laut Studien öfter unter Bluthochdruck und Übergewicht als jene, die nur kurze Arbeitswege haben. Ausserdem lässt irgendwann ihr Sozialleben zu wünschen übrig, weil sie am Abend viel zu fertig sind, um sich noch mit Freunden zu treffen.

Welche Folgen das Pendeln der Eltern für deren Nachwuchs haben, haben Jianghong Li und Matthias Pollmann-Schult vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung untersucht. Dafür werteten sie die Daten einer Langzeitstudie aus, in der seit 2008 jährlich Befinden, Arbeit und Einkommen von mehr als 10'000 Menschen in Deutschland erfasst werden. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die Angehörigen pendelnder Väter, da in vielen Familien noch immer die Männer die Hauptverdiener sind.

Soziale und emotionale Probleme

Dabei zeigte sich, dass die langen Arbeitswege von Vätern auch die Kinder belasten: So hatten vor allem Fünf- bis Sechsjährige mehr emotionale und soziale Probleme als ihre Altersgenossen, deren Väter nicht pendelten. Sie stritten sich häufiger mit Gleichaltrigen, wenn ihr Vater täglich mehr als insgesamt 40 Kilometer zurücklegte. Ausserdem legten sie weniger prosoziales Verhalten an den Tag, wie es im «Journal of Family and Economic Issues» heisst.

Kehrten die Väter nur am Wochenende nach Hause zurück, gesellten sich dazu auch noch emotionale Probleme der Kinder. Das zeigt laut den Forschern, dass «das Berufspendeln eine bisher unterschätzte Quelle von Konflikten im Kontext von Arbeit und Familie ist».

Ansteckende Gereiztheit

Schuld daran ist laut Li und Pollmann-Schult allerdings nicht die durch das Pendeln bedingte häufigere Abwesenheit des Vaters, vielmehr scheinen sich Stress und Gereiztheit auf den Nachwuchs zu übertragen. Das führt offenbar oft zu einem gereizten Familienklima, bei dem es auch mal zu harschen Reaktionen gegenüber den Kindern kommt.

Umgekehrt kann das wochenweise Pendeln zu stärkerer emotionaler Belastung und zu Stress bei der Mutter führen, weil diese während der Woche quasi alleinerziehend ist, wie die Forscher erklären.

Pendler in der Schweiz

Die Schweizer sind ein Volk von Pendlern: 2013 mussten neun von zehn Erwerbstätigen längere Strecken zurücklegen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Das entspricht rund 3,8 Millionen Menschen. Im Jahr zuvor waren es laut Bundesamt für Statistik nur etwa 3,7 Millionen Menschen.

Doch nicht nur ihr Anteil steigt, auch die Wege werden immer länger: Durchschnittlich legte ein Pendler 2013 pro Weg 14,4 Kilometer zurück. Das sind 1,5 Kilometer mehr als im Jahr 2000.

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