Aktualisiert 09.09.2018 17:01

Zürich Hauptbahnhof

Pendler ärgern sich über Scientology-Plakat

Am Zürcher Hauptbahnhof ist derzeit eine Werbung für Scientology zu sehen. Pendler fragen sich, ob das vertretbar ist.

von
vb
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Diese Werbung für Scientology ist derzeit am Zürcher Hauptbahnhof zu sehen.

Diese Werbung für Scientology ist derzeit am Zürcher Hauptbahnhof zu sehen.

Leser-Reporter
«Gehört Werbung für eine Sekte in den öffentlichen Raum?», fragt sich eine 20-Minuten-Leserin.

«Gehört Werbung für eine Sekte in den öffentlichen Raum?», fragt sich eine 20-Minuten-Leserin.

Leser-Reporter
Eine Debatte ausgelöst hat im August 2018 auch dieses Bibel-Zitat auf einem Bieler Bus.

Eine Debatte ausgelöst hat im August 2018 auch dieses Bibel-Zitat auf einem Bieler Bus.

«Neugierig?», steht in grossen Buchstaben auf dem violetten Plakat in einer Unterführung am Hauptbahnhof Zürich. Damit wirbt die umstrittene Kirche Scientology neue Mitglieder an. Angegeben wird die Website der Organisation sowie ein QR-Code für einen App-Download. Darunter die Aufforderung: «Besuchen Sie uns.»

20-Minuten-Leserin P.L.* ist das Plakat Anfang Woche aufgefallen. Sie pendelt täglich zum Arbeiten nach Zürich – und ärgert sich: «Gehört Werbung für eine Sekte wirklich in den öffentlichen Raum?»

«Meinungsäusserungsfreiheit nicht beschneiden»

Der Zürcher Hauptbahnhof – und damit die Plakatstellen vor Ort – gehören der SBB. Bewirtschaftet werden die Werbeflächen vom Aussenwerbeunternehmen APG SGA.

Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt die SBB, dass die Bahnhöfe seit einem Bundesgerichtsurteil im Jahr 2012 als öffentlicher Raum gelten. «Die SBB darf ihre Bahnhöfe in diesem Zusammenhang nicht anders behandeln als Kommunen ihre öffentlichen Räume», erklärt SBB-Sprecher Reto Schärli.

Somit sei die SBB «klar nicht befugt», die in der Bundesverfassung verankerte Meinungsäusserungsfreiheit zu beschneiden. Man könne nur da einschreiten, wo die öffentliche Ordnung gefährdet werde oder Sitte und Anstand verletzt würden.

«Religion ist nicht unser Zuständigkeitsgebiet»

Bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission heisst es, dass religiöse Werbung nicht ins Zuständigkeitsgebiet der Kommission falle. «Wir dürfen nur kommerzielle Kommunikation beurteilen», erklärt Sprecher Thomas Meier. Er räumt aber ein: «Wenn eine religöse oder eine andere nicht kommerzielle Organisation allerdings mit ihrer Werbung etwas verkaufen will, fällt das auch in unseren Kompetenzbereich.»

Die Lauterkeitskommission kann aber nur dann tätig werden, wenn aktiv eine Beschwerde an sie herangetragen wird. Dann müsse geprüft werden, ob eine Werbung gegen die Regeln der Lauterkeit verstosse, so Meier.

Plakat auch in Basel

Im Zusammenhang mit Scientology hat die Lauterkeitskommission kürzlich eine Sanktion ausgesprochen. Es ging um zwei unadres­sierte Werbeflyer, die Scientology trotz eines «Keine Werbung»-Klebers in einen Briefkasten in Basel geworfen hatte. Die Sanktion bestand darin, dass der Fall auf der Website der Lauterkeitskommission mit voller Namensnennung von Scientology publik gemacht wurde.

Ebenfalls in Basel hat kürzlich eine Scientology-Werbung für Unmut gesorgt. Sie war prominent auf dem grossen Bildschirm am Bahnhof Basel SBB zu sehen. «Ich war zutiefst schockiert, weil ich dies an einem so öffentlichen Platz nicht erwartete», sagte eine Pendlerin im Juli dem inzwischen eingestellten Online-Portal barfi.ch.

*Name der Redaktion bekannt

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