Salate, Sushi & Co.: Pendler bekommen immer besseren Food

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Salate, Sushi & Co.Pendler bekommen immer besseren Food

Frisch, gesund und Gourmet-tauglich: Rund um die Verkehrsknotenpunkte entsteht eine neue mobile Esskultur. Connaisseure freuts – doch sie warnen auch vor «Schischi».

von
S. Heusser
Sushi und Salate gehören zu den neuen Essens-Trends.

Sushi und Salate gehören zu den neuen Essens-Trends.

Das Essbewusstsein der Schweizer ändert sich, schreibt das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in einer neuen Studie. «Dort, wo wir vom Bus aufs Tram umsteigen, manifestieren sich erste Trends – sie sind die Ansätze der Zukunft», sagt Mirjam Hauser vom GDI. Pendler und Reisende profitieren als Erste von aufgewerteter mobiler Verpflegung. «Frische, Regionalität, Bio und Saisonalität rücken ins Zentrum.»

Ein Beispiel für den neuen Trend ist Greens. Die Firma bietet am Flughafen Zürich und an den Bahnhöfen Genf und Bern Salate, Säfte und Sandwiches an, deren Rohstoffe wenn immer möglich biologisch sind, aus der Region stammen und frisch zubereitet werden. «Der Kunde will sehen, wie das Brot gebacken, der Salat gewaschen und die Toppings frisch gegrillt werden», sagt Brand Manager Maximilian Schiedt. Bio sei lange ein Nischenmarkt mit militantem Anstrich gewesen, heute wachse der Markt stark.

«LOHAS, Sportler und Manager, die fit bleiben wollen»

Die Gastro-Kette Yooji's setzt neben Salaten und Suppen auch auf Sushi. «Weil sich das Gesundheitsbewusstsein der Menschen verändert hat, wollen sie heute auch unterwegs gesund essen», sagt Mediensprecherin Sarah Strub. Viele Leute würden Sport treiben und auf eine ausgewogene Ernährung achten. «Take-Away soll darum leicht und gesund sein.» Yooji's hat kürzlich an der Bahnhofstrasse beim Zürcher Hauptbahnhof ein neues Lokal eröffnet. An derselben Stelle konnte die Kundschaft bis anhin Bratwürste eines seit 40 Jahren ansässigen Metzgers kaufen.

Dass sich die gesunden Läden zuerst an den Hotspots des Verkehrs ausbreiten, hat laut Greens-Chef Schiedt damit zu tun, dass sich dort wichtige Zielgruppen tummeln: «Den LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability; Anmerkung der Redaktion) ist Herkunft und Umweltverträglichkeit der Produkte wichtig. Daneben sind es Sportler und Manager, die fit bleiben wollen.»

«Es wird auch viel ‹Schischi› gemacht»

Traditionalisten und Liebhaber von Bratwurst und Kebap müssen sich laut GDI-Forscherin Hauser aber keine Sorgen machen: «Diese Angebote wird es weiter geben. Doch sie werden um innovative Saft- und Sandwichläden ergänzt.» Doch können sich alle Sushi und Bio-Saläte leisten? «Gesund muss nicht zwingend teurer sein», sagt Hauser.

Fest steht, dass die mobilen Verpflegungsmöglichkeiten auch geschmacklich immer besser werden. «Heute kommen auch Connaisseure unterwegs auf ihre Kosten», so Markus Bischof vom Gourmet-Magazin «Salz & Pfeffer». Die Qualitätssteigerung habe vor allem damit zu tun, dass Essen heute viel frischer zubereitet werde. Allerdings sieht er auch negative Seiten des Trends: «Da das Auge immer mitisst, wird auch viel ‹Schischi› gemacht.»

Nach Lebensmittelskandalen wie der Pferdefleisch-Lasagne, die das Vertrauen in die Food-Industrie erschüttert haben, sind Kunden heute kompetenter denn je. Sie wissen selber über Herkunft und Zubereitung von Nahrungsmitteln Bescheid und emanzipieren sich von Food-Anbietern. Das neue Essbewusstsein führe auch zu gesellschaftlichem Ansehen, schreibt das GDI in der neuen Studie.

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