11.03.2020 03:44

Corona-Angst

Pendler drücken Türknopf mit Ellenbogen

Mehrere Verkehrsbetriebe treffen Massnahmen gegen das Coronavirus. Auch die Passagiere sind sensibilisiert und wollen die Türknöpfe nicht mehr drücken.

von
les

Gedränge, hustende Passagiere, dreckige Türknöpfe – der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) trifft im Kampf gegen das Coronavirus Massnahmen: Zum Schutz der Passagiere sollen die Haltestangen der Busse und Trams neu jede Nacht desinfiziert werden. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) öffnen zudem ab sofort alle Fahrzeugtüren bei jedem Halt automatisch. Die Taste für den «Halt auf Verlangen» auf Busstrecken muss hingegen weiterhin bedient werden.

Das Fahrpersonal des Zürcher Verkehrsverbunds wird künftig geschützt, indem es keine Tickets mehr verkauft und die vorderste Tür der Busse blockiert ist, damit dort kein Ein- und Ausstieg mehr möglich ist. Ausserdem bleiben in den Trams die Fenster zum Cockpit geschlossen. Auch Postauto stellt den Verkauf von Tickets durch das Fahrpersonal vorübergehend ein.

Auch die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZBV) schliessen nun die vordersten Türen der Linienbusse und stellen den Ticketverkauf im Bus ein. Mit dieser Massnahme werde der Empfehlung der Marktführerin Postauto und dem ZVV gefolgt, heisst es beim ZVB.

Züge nach Italien werden täglich desinfiziert

Von spezifischen Massnahmen sieht die SBB vorerst ab: «Es liegt am Bundesamt für Gesundheit, Empfehlungen für die gesamte ÖV-Branche abzugeben und Massnahmen anzuordnen», sagt Sprecher Martin Meier. Die SBB würde aber die Anweisung der italienischen Behörden umsetzen, dass alle nach Italien verkehrenden Züge täglich desinfiziert werden müssen.

Auch die Rhätische Bahn setzt diese Anweisung um und verzeichnet auf der Strecke zwischen Poschiavo GR und Tirano (Italien) derzeit wenige Fahrgäste.

Neben einer Einschränkung von Reisen vermeiden die Passagiere jetzt häufiger, möglicherweise unhygienische Oberflächen zu berühren: «Die Fahrgäste halten sich nicht mehr so oft an den Haltestangen fest», heisst es bei Postauto. Auch bei Bernmobil wird beobachtet, dass Fahrgäste etwa den Türknopf mit dem Ellenbogen bedienen.

«Oft drückt niemand den Knopf»

In einer 20-Minuten-Umfrage an einer Tramhaltestelle zeigt sich, dass trotzdem zu Stosszeiten im öffentlichen Verkehr gefahren wird – die Leute müssen in die Schule, an die Uni oder zur Arbeit. Mehrere Passanten geben aber an, das Drücken von Türknöpfen mit der Hand möglichst zu vermeiden: «Weil ich oft am Handy bin, drücke ich vor allem damit auf den Knopf, anstatt meine Finger zu brauchen», sagt Liekit (17). Oft sehe er, dass niemand den Knopf drückt und alle darauf warten, dass es jemand anders tut.

Auch Sara (34) ist beim Drücken von Türknöpfen vorsichtig: «Ich drücke die Knöpfe mit den Knöcheln oder dem Ellenbogen – oder ich habe Handschuhe an. Das habe ich aber schon vorher schon gemacht.» Lea (17) sieht es entspannter: «Ich drücke den Knopf noch. Wenn ich nach Hause komme, wasche ich mir einfach die Hände.»

Weniger Passagiere

Mehrere Verkehrsbetriebe verzeichnen einen Rückgang beim Freizeitverkehr oder leicht rückläufige Fahrgastfrequenzen zu Stosszeiten. «Im Verkehr nach Italien gibt es einen Nachfrageeinbruch von 90 Prozent, bei Frankreich sind es 60 Prozent. Das kostet uns pro Tag eine halbe Million Franken», sagt der abtretende SBB-CEO Andreas Meyer. In den Zügen der Schweiz seien 10 bis 20 Prozent weniger Menschen unterwegs.

Fehler gefunden?Jetzt melden.