ÖV-Muffel: Pendler fahren lieber mit dem Auto zur Arbeit
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ÖV-MuffelPendler fahren lieber mit dem Auto zur Arbeit

Neue Zahlen zeigen, wo die Pendler auf den öffentlichen Verkehr setzen und wo das Auto dominiert. Die Grossstädter sind keine Vorbilder.

von
Stefan Ehrbar
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Der öffentliche Verkehr ist nicht überall in der Schweiz gleich beliebt. Neue Zahlen des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) zeigen, welche Agglomerationen besonders ÖV-affin sind.

Der öffentliche Verkehr ist nicht überall in der Schweiz gleich beliebt. Neue Zahlen des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) zeigen, welche Agglomerationen besonders ÖV-affin sind.

Keystone/Gaetan Bally
An erster Stelle steht keine Grossstadt, sondern die Agglomeration Brig-Visp. Die Bewohner der Walliser Orte legen 49 Prozent ihrer Distanzen mit dem ÖV zurück und 41 Prozent mit dem Auto.

An erster Stelle steht keine Grossstadt, sondern die Agglomeration Brig-Visp. Die Bewohner der Walliser Orte legen 49 Prozent ihrer Distanzen mit dem ÖV zurück und 41 Prozent mit dem Auto.

Keystone/Gaetan Bally
Auf Platz 2 folgt die Agglomeration zwischen Rapperswil-Jona SG und Rüti ZH. Hier beträgt der ÖV-Anteil 40 Prozent. Die beiden Städte werden viertelstündlich mit der Bahn verbunden.

Auf Platz 2 folgt die Agglomeration zwischen Rapperswil-Jona SG und Rüti ZH. Hier beträgt der ÖV-Anteil 40 Prozent. Die beiden Städte werden viertelstündlich mit der Bahn verbunden.

Wikipedia

Fast vier Millionen Erwerbstätige in der Schweiz pendeln zur Arbeit, über die Hälfte davon mit dem Auto. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (20 Minuten berichtete). Doch nicht überall ist das Auto das bevorzugte Verkehrsmittel.

Eine Analyse des Bundesamts für Raumentwicklung zeigt auf, wo der öffentliche Verkehr besonders stark ist. Nur in einer Region ziehen die Bewohner den ÖV dem Auto vor – und zwar nicht in einer Grossstadt. Die Einwohner der Agglomeration Brig-Visp legen 49 Prozent ihrer Distanzen mit dem ÖV zurück. Das Auto kommt auf einen Anteil von 41 Prozent. Brig-Visp ist die einzige Agglomeration der Schweiz, in der Bahn und Bus das Auto schlagen.

Im Rheintal hat es der ÖV schwer

Auf dem Rang 2 folgt nicht etwa Zürich oder Basel, sondern die Agglomeration Rapperswil-Jona SG – Rüti ZH. Zwischen den beiden Städten verkehrt viertelstündlich eine S-Bahn. Die gegenüber der Strasse rasche und häufige Verbindung dürfte der Hauptgrund für das gute Abschneiden sein, sagt ein Experte zu 20 Minuten. Das Auto hat mit 48 Prozent trotzdem einen höheren Anteil als der ÖV mit 40 Prozent. Auf Rang 3 folgt die Agglomeration Biel.

Die ÖV-Muffel des Landes sind die Einwohner des St. Galler Rheintals. Hier werden nur neun Prozent der Wege mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt und ganze 80 Prozent mit dem Auto (siehe Bildstrecke). Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015.

In Städten ist der ÖV beliebt

Leicht andere Zahlen ergeben sich, wenn nicht die Distanzen betrachtet werden, die die Einwohner zurücklegen, sondern jene, die in der Agglomeration insgesamt zurückgelegt werden. Dazu zählen auch Wege von Pendlern oder Besuchern von ausserhalb. In dieser Betrachtung setzt sich die Agglomeration Baden-Brugg vor den Städten Bern und Zürich an die Spitze. Danach folgt die Agglomeration Brig-Visp. Am tiefsten sind die Anteile des öffentlichen Verkehrs in Bulle und Martigny.

Die Analyse belegt: Einwohner von Zürich, Bern und Genf benutzen zwar häufiger als der Rest des Landes den öffentlichen Verkehr. Sie sind aber weniger häufig im Zug, Bus und Tram unterwegs als die Gesamtheit der Personen, die sich in der Agglomeration bewegen. Das heisst: Auswärtige, die sich in den Grossstädten bewegen, setzen eher auf den ÖV als die Einwohner selbst.

Billigeres Parkieren für Städter

Die Ursache für diese Differenz führen die Experten des Bundes auf drei Punkte zurück:

Öffentliche Politik: Bewohner der Städte erhalten etwa Parkerleichterungen und benutzen deshalb das Auto häufiger.

Sozioökonomische Unterschiede: Dazu gehört etwa die sogenannte Pendlerdifferenz. Pendler benutzen häufiger den öffentlichen Verkehr als die Gesamtbevölkerung. In grosse Städte pendeln besonders viele Personen.

Verkehrsangebot: In einigen Orten kann es etwa eine Zuglinie geben, die ohne Halt durchfährt. In den grossen Städten trifft diese Begründung allerdings kaum zu.

In den letzten Jahren haben sich keine grossen Verschiebungen mehr ergeben. Das Hauptverkehrsmittel der erwerbstätigen Pendler war im letzten Jahr gemäss Bundesamt für Statistik das Auto (52,4%), gefolgt von der Bahn (16,7%) und Bussen (13,6%). Nur der Anteil der zu Fuss pendelnden Erwerbstätigen sank von 10 Prozent im Jahr 2010 auf 8,8 Prozent im letzten Jahr.

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